Sepp Schellhorn: Medien Schuld an Umfragetief – Regierung habe geliefert

Sepp Schellhorn: Medien Schuld an Umfragetief – Regierung habe geliefert

Staatssekretär Sepp Schellhorn (Neos) hat mit seiner Aussage, „Der Österreicher an und für sich steht auf Mieselsucht“, für Aufsehen gesorgt. Diese Bemerkung fiel im Kontext einer Diskussion über die schlechten Umfragewerte der Regierung. Doch was steckt hinter dieser Aussage, und wie berechtigt ist die Kritik an Medien und Bevölkerung?

Die Ausgangslage: Vertrauenskrise der Regierung

Laut einer Umfrage der „Krone“ sind mehr als zwei Drittel der Österreicher mit der Regierung unzufrieden, und 59 Prozent glauben nicht an die angekündigten Reformen. Diese Zahlen spiegeln eine tiefe Vertrauenskrise wider. Schellhorn erklärte, die Regierung habe „geliefert“, werde jedoch von einer „Schlagzeilenlogik“ erdrückt. Doch ist es wirklich die Berichterstattung, die das Vertrauen der Bevölkerung untergräbt, oder liegt das Problem tiefer?

Medienkritik: Schlagzeilen statt Substanz?

Schellhorn kritisierte, dass die Politik von „Schlagzeilen“ und „Überschriftenlogik“ getrieben werde. Er forderte eine stärkere Förderung von Qualitätsjournalismus, um „reflektierten Journalismus mit Pro und Contra“ zu ermöglichen. Diese Kritik ist nicht neu, doch sie wirft Fragen auf: Ist es Aufgabe der Medien, die Regierung in einem besseren Licht darzustellen? Oder liegt die Verantwortung nicht vielmehr bei der Politik, durch transparente und effektive Maßnahmen Vertrauen zu schaffen?

Wie der „exxpress“ berichtet, brachte Schellhorn in diesem Zusammenhang auch die staatliche Medienförderung ins Spiel. Er warnte vor einem „Clickbait-Geschäftsmodell“, das vor allem extreme Positionen verstärke. Diese Beobachtung ist durchaus berechtigt, doch bleibt unklar, wie Schellhorn die Medienförderung konkret reformieren möchte.

„Mieselsucht“: Ein fragwürdiges Narrativ

Besonders kontrovers ist Schellhorns Aussage, die Österreicher seien „mieselsüchtig“. Er berief sich dabei auf den Schriftsteller Thomas Bernhard, dessen Zitat jedoch in dieser Form vorerst nicht belegt werden konnte. Bernhard kritisierte zwar häufig die österreichische Mentalität, doch seine Aussagen waren differenzierter. In „Heldenplatz“ schrieb er etwa: „Die Österreicher sind vom Unglück Besessene.“ Diese Kritik zielte jedoch nicht auf eine grundsätzliche Negativität, sondern auf die Gleichgültigkeit gegenüber Missständen.

Schellhorns Verweis auf die „Mieselsucht“ lenkt von der eigentlichen Frage ab: Warum ist das Vertrauen in die Regierung so tief gesunken? Die Schuld bei der Bevölkerung zu suchen, wirkt wie eine Ablenkung von politischen Versäumnissen.

Demokratie und Diskurs: Die eigentliche Herausforderung

Schellhorn betonte, dass es ihm um die „Demokratie“ und die „Diskursfähigkeit“ gehe. Doch genau hier liegt die Herausforderung: Ein lebendiger demokratischer Diskurs erfordert nicht nur kritische Medien, sondern auch eine Politik, die sich der Kritik stellt und daraus lernt. Die Verantwortung für die Vertrauenskrise allein den Medien oder der Bevölkerung zuzuschreiben, greift zu kurz.

Verantwortung statt Schuldzuweisungen

Die Aussagen von Sepp Schellhorn werfen wichtige Fragen auf, doch sie bleiben in vielen Punkten vage. Die Kritik an den Medien ist berechtigt, doch sie darf nicht als Ausrede für politische Versäumnisse dienen. Statt die Bevölkerung als „mieselsüchtig“ zu bezeichnen, sollte die Regierung daran arbeiten, durch transparente und effektive Maßnahmen Vertrauen zurückzugewinnen. Denn letztlich liegt es an der Politik, die Grundlage für einen konstruktiven Diskurs zu schaffen.

Credits: APA

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