Selten so deutlich: Armin Wolf zum Fall Marchtrenk

Selten so deutlich: Armin Wolf zum Fall Marchtrenk

Ein tödlicher Missbrauchsfall aus Oberösterreich hat in der ZIB2 für ungewöhnlich deutliche Worte gesorgt. ORF-Moderator Armin Wolf fand für die Ermittlungsdetails klare Sprache, auch Justizministerin Anna Sporrer zeigte sich in der Sendung sichtlich betroffen.

„Den Magen umdreht“

In der Anmoderation des Nachrichtenbeitrags zum Fall wählte Wolf ungewohnt scharfe Worte: „Beide Männer sitzen in U-Haft. Die Chat-Nachrichten zwischen ihnen sind derart widerwärtig, dass es einem beim Lesen den Magen umdreht.“ Auf die Wiedergabe der konkreten Nachrichten verzichtete der Sender bewusst.

Der Fall im Überblick

Ausgangspunkt der Ermittlungen war die Nacht vom 25. auf den 26. Juni, als Rettung und Polizei zu einem Reihenhaus in Marchtrenk gerufen wurden. Die jugendliche Tochter des betroffenen Paares hatte ihre 39-jährige Mutter leblos im Wasserbett gefunden, um 0.44 Uhr wurde die Frau für tot erklärt. Der zum Tatzeitpunkt alkoholisierte Ehemann sprach gegenüber Ermittlern zunächst von einem Unfall, weshalb die Behörden vorerst von keiner vorsätzlichen Tat ausgingen. Die Obduktion ergab jedoch massive Verletzungen, die nicht zur ursprünglichen Schilderung passten – die Ermittlungen nahmen daraufhin eine neue Richtung. Der Mann konnte in der Zwischenzeit noch das Wasserbett entsorgen und eine App von seinem Handy löschen, ehe er festgenommen wurde.

Bei der Auswertung digitaler Daten stießen Ermittler auf den Verdacht, dass die Frau bereits zuvor wiederholt betäubt und missbraucht worden sein könnte – nach bisherigem Ermittlungsstand soll sie über längere Zeit von ihrem Ehemann betäubt und anderen Männern zum Missbrauch überlassen worden sein. Wie die „Kronen Zeitung“ zuerst berichtete, soll der 51-Jährige dafür teils 500 Euro verlangt haben. Auf dem Handy des Ehemanns fanden Ermittler zudem zahlreiche Nachrichten mit einem weiteren 51-jährigen Nachbarn, der ebenfalls in Untersuchungshaft sitzt. Ein dritter Mann soll für einen weiteren Missbrauch vorgesehen gewesen sein. Für sämtliche Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Sporrer zitiert Bachmann

Auch Justizministerin Anna Sporrer äußerte sich in der ZIB2 sichtlich bewegt zu dem Fall. Ihr sei dabei ein Satz der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann in den Sinn gekommen: „Die Männer sind alle krank. Wussten Sie das nicht?“ Der Fall zeige aus ihrer Sicht ein wiederkehrendes Muster, bei dem sich Männer bemächtigen, über Frauen zu bestimmen – es gehe um Kontrolle, im schlimmsten Fall bis zum Tod. Als Gesellschaft müsse man sich dagegen geschlossen stellen, es brauche einen Bewusstseinswandel.

Reform des Sexualstrafrechts in Vorbereitung

Sporrer nutzte den Auftritt auch, um konkrete gesetzliche Schritte anzukündigen. Bereits der Besitz realer Vergewaltigungsvideos soll künftig strafbar werden, deren Versendung und Verbreitung ist es bereits jetzt. Eine eigene Arbeitsgruppe zur Reform des Sexualstrafrechts soll im September ihre Arbeit aufnehmen, dabei sollen auch neue digitale Phänomene wie Deepfakes rechtlich neu bewertet werden: „Wir werden uns jetzt daran machen, auch diese Lücken zu schließen.“ Ihre grundsätzliche Frustration über die Häufigkeit neuer Regelungsbedarfe brachte sie deutlich zum Ausdruck: „Ich bin wirklich fassungslos, dass ich als Justizministerin mehr oder weniger jedes halbe Jahr vor neuen Phänomenen stehe, die geregelt werden müssen.“

Zur Idee eines öffentlichen Registers, in dem frühere Gewaltvorwürfe gegen Männer abgefragt werden könnten, zeigte sich Sporrer offen für eine breite Debatte, verwies aber zugleich auf Persönlichkeitsrechte und ungeklärte Fragen zur Speicherdauer solcher Daten. Auch bei häuslicher Gewalt brauche es mehr Prävention, das Thema solle künftig stärkeres Gewicht in der Fortbildung von Richtern bekommen.

„Nur Ja heißt Ja“ auf der Zielgeraden

Beim geplanten Prinzip „Nur Ja heißt Ja“ sieht die Ministerin die Verhandlungen bereits weit fortgeschritten. Die NEOS hätten der Reform bereits zugestimmt, von der ÖVP werde noch eine Antwort erwartet. Sporrer zeigte sich zuversichtlich: „Der Entwurf ist fertig.“ Nach einer Zustimmung der Kanzlerpartei könnte die Reform binnen weniger Monate durchs Parlament gebracht werden.


Wichtiger Hinweis: Wenn Sie von Gewalt betroffen sind, finden Sie Hilfe bei der Frauenhelpline (0800 222 555, rund um die Uhr, kostenlos), dem Männernotruf (0800 246 247), bei Rat auf Draht (147), den Autonomen Frauenhäusern (01/544 08 20) oder im Notfall bei der Polizei (133).

Credits: EXPA/ Michael Gruber

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