Monatelang war Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) die unerschütterliche Beschützerin der kleinen Spitäler. „Kein Spital wird geschlossen!“ – so lautete ihre Linie. In der ORF-„Pressestunde“ ließ sie nun aber ein bemerkenswertes „Aber“ folgen, das aufhorchen lässt.
Ein Machtwort mit Hintertür
Im Gespräch mit „Kurier“-Journalistin Johanna Hager und ORF-Redakteur Thomas Langpaul wetterte Schumann weiterhin gegen einen „Kahlschlag“ bei den Spitälern mit bis zu 180 Betten. Doch sie ließ eine entscheidende Einschränkung erkennen: Die Standorte selbst würden zwar nicht zusperren, so die Ministerin wörtlich – ob sie aber weiterhin als Krankenhäuser erhalten blieben, sei „nicht sicher“. Die Botschaft dahinter ist unmissverständlich: Aus kleinen Spitälern könnten künftig Primärversorgungszentren oder andere Formen der Gesundheitseinrichtung werden – offiziell kein Zusperren, de facto aber ein Umbau der medizinischen Versorgung vor Ort.
Monatelanger Streit in der eigenen Partei
Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, in dem sich die SPÖ intern seit Wochen an genau dieser Frage abarbeitet. Landeshauptleute und Landesparteichefs ringen mit der Bundesministerin darum, wie viele der kleineren Standorte im ländlichen Raum künftig noch als vollwertige Krankenhäuser bestehen bleiben. Schumanns bisherige Formel, wonach kein Spital geschlossen werde, hatte diesen Konflikt bislang eher überdeckt als gelöst.
Ein bundesländerübergreifendes „Spital-Casting“
Konkret soll die Entscheidung über die tatsächliche medizinische Versorgung künftig nicht mehr rein regional, sondern bundeslandübergreifend getroffen werden. Um Tragödien wie jene im oberösterreichischen Rohrbach zu verhindern, will die Ministerin ein Lenkungssystem einführen, das in Echtzeit anzeigt, wo noch freie Intensivbetten verfügbar sind. Hintergrund ist der Tod einer 55-jährigen Mühlviertlerin im Oktober 2025: Die Frau war mit einem Einriss der Hauptschlagader ins Krankenhaus Rohrbach gekommen, benötigte aber dringend eine Operation in einer auf Herzchirurgie spezialisierten Klinik. Wie der ORF berichtete, wurde sie von mehreren umliegenden Spitälern – darunter das Kepler-Uniklinikum Linz, das Klinikum Wels-Grieskirchen und das Uniklinikum St. Pölten – aus Kapazitätsgründen abgewiesen. Erst die Salzburger Landeskliniken sagten eine Übernahme zu, da war die Patientin aber bereits nicht mehr transportfähig. Sie starb im Krankenhaus Rohrbach.
Offene Fragen bei den Wartezeiten
Bei einem anderen zentralen Anliegen der Bevölkerung musste die Ministerin hingegen passen: Wann sich die Wartezeiten auf Facharzttermine spürbar verkürzen, konnte Schumann in der Sendung nicht beantworten. Stattdessen verwies sie auf den geplanten Ausbau der Primärversorgungszentren sowie eine Stärkung der telefonischen Gesundheitshotline 1450 als mittelfristige Lösungsansätze.
Ausverkauf oder Beruhigungspille?
Ob Schumanns Formulierung tatsächlich den Auftakt zu einem umfassenderen Umbau der Spitalslandschaft im ländlichen Raum markiert oder lediglich ein Versuch ist, die parteiinternen Konflikte vorerst zu entschärfen, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen. Klar ist nur: Zwischen Koalition und SPÖ-Landesorganisationen wird weiterhin intensiv um jeden einzelnen Spitalsstandort gerungen, und eine endgültige Lösung ist nach diesem Auftritt nicht in Sicht.
Credits: BKA / Regina Aigner
Neueste Kommentare