Zehn Tote bei Schießerei in Tumbler Ridge – Täter beging offenbar Suizid
Eine Kleinstadt in Westkanada steht unter Schock. Bei einem Schulmassaker in Tumbler Ridge, British Columbia, kamen am Dienstag zehn Menschen ums Leben, darunter die mutmaßliche Täterin. 25 weitere Personen wurden verletzt, zwei von ihnen schweben in Lebensgefahr. Es handelt sich um die tödlichste Schießerei an einer kanadischen Schule seit 1989.
Bluttat in zwei Akten
Die Polizei wurde am Dienstag um 13:20 Uhr Ortszeit über Schüsse an der Tumbler Ridge Secondary School informiert. Wie die Royal Canadian Mounted Police (RCMP) bestätigte, fanden die Beamten sieben Tote im Schulgebäude vor, darunter eine Lehrkraft sowie sechs Schüler im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. Die mutmaßliche Täterin wurde ebenfalls tot aufgefunden – die Polizei geht von Suizid aus.
In einem nahegelegenen Wohnhaus entdeckten die Ermittler zwei weitere Opfer. Wie der ORF berichtet, handelt es sich dabei um die Mutter und den Stiefbruder der Täterin. Die Polizei bestätigte einen Zusammenhang zwischen beiden Tatorten.
Schneller Polizeieinsatz verhinderte Schlimmeres
David Eby, Premierminister von British Columbia, lobte den Einsatz der Polizei. Die Beamten seien bereits zwei Minuten nach dem Notruf vor Ort gewesen und hätten sich dabei selbst in Gefahr gebracht. „Das ist heldenhafte Arbeit“, sagte Eby laut ORF. Der schnelle Einsatz habe möglicherweise noch Schlimmeres verhindert.
Ein Schüler schilderte dem kanadischen Sender CBC die dramatischen Momente: Nach dem Alarm hätten sie die Tür ihres Klassenzimmers mit Tischen verbarrikadiert. Mehr als zwei Stunden mussten die Schüler in der Schule ausharren, bevor die Polizei das Gebäude stürmte und alle aufforderte, mit erhobenen Händen nach draußen zu kommen.
Täterin der Polizei bekannt
Die Polizei identifizierte die mutmaßliche Täterin als 18-jährige Bewohnerin von Tumbler Ridge. Wie Wikipedia berichtet, wurde die Person bei der Geburt als männlich registriert, identifizierte sich jedoch als weiblich. Die Polizei verwendet weibliche Pronomen. Ein RCMP-Beamter erklärte, man identifiziere die Person so, „wie sie sich selbst öffentlich und in den sozialen Medien identifiziert hat.“
Aus Polizeikreisen verlautete, dass die Einsatzkräfte in den vergangenen Jahren mehrfach an der Wohnadresse der Verdächtigen im Einsatz gewesen seien. Dabei seien auch Waffen sichergestellt worden. Der Beamte sprach von „psychischen Gesundheitsproblemen“ der mutmaßlichen Täterin, ohne Details zu nennen. Die Person habe die Schule vor vier Jahren abgebrochen.
Kleinstadt in Trauer
Tumbler Ridge zählt rund 2.400 Einwohner und liegt etwa 1.000 Kilometer nördlich von Vancouver in einer abgelegenen Bergbauregion. Die Tumbler Ridge Secondary School betreut etwa 160 Schüler zwischen zwölf und 18 Jahren. Bürgermeister Darryl Krakowka zeigte sich erschüttert: „Es ist verheerend. Ich lebe seit 18 Jahren hier. Ich kenne vermutlich jedes einzelne Opfer“, sagte er laut 20 Minuten.
Landesweite Staatstrauer
Premierminister Mark Carney ordnete eine siebentägige Staatstrauer an. Er sagte mehrere geplante Reisen ab, darunter den Besuch der Münchner Sicherheitskonferenz. Tumbler Ridge nannte er „eine Stadt von Bergarbeitern, Lehrern, Bauarbeitern, Familien, die dort ihr Leben aufgebaut haben – Menschen, die immer füreinander da waren.“
Seltenheit in Kanada
Schusswaffengewalt kommt in Kanada deutlich seltener vor als im südlichen Nachbarland USA. Wie Euronews berichtet, hat die kanadische Regierung auf frühere Amokläufe mit strengeren Waffenkontrollmaßnahmen reagiert, darunter ein erweitertes Verbot von Sturmwaffen.
Die Tat vom Dienstag ist der tödlichste Amoklauf in Kanada seit 2020. Damals tötete ein Schütze in Nova Scotia 13 Menschen und legte Brände, die weitere neun Menschen das Leben kosteten. Die tödlichste Schießerei an einer kanadischen Bildungseinrichtung ereignete sich 1989 an der École Polytechnique in Montreal, als ein 25-Jähriger 14 Studentinnen erschoss, bevor er sich selbst tötete.
Die Schule bleibt für den Rest der Woche geschlossen. Die Ermittlungen zu den genauen Hintergründen und dem Motiv der Tat dauern an.
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