Schläge, sexuelle Nötigung: Zahl der Gewalttaten an Wiens Schulen seit 2015 verdoppelt

Schläge, sexuelle Nötigung: Zahl der Gewalttaten an Wiens Schulen seit 2015 verdoppelt

Die Zahl der angezeigten Gewaltdelikte an Wiener Schulen ist in den vergangenen neun Jahren dramatisch gestiegen – und hat sich mehr als verdoppelt. Das geht aus aktuellen Daten der Landespolizeidirektion Wien hervor. Während im Jahr 2015 noch 296 Anzeigen registriert wurden, waren es 2024 bereits 632.

Den mit Abstand größten Anteil machen dabei Körperverletzungen aus – insgesamt 592 Anzeigen allein im Vorjahr. Doch nicht nur körperliche Auseinandersetzungen sorgen für Besorgnis: Die restlichen angezeigten Delikte umfassen schwere Körperverletzung, absichtliche schwere Körperverletzung, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung sowie sexuellen Missbrauch von Unmündigen – eine Entwicklung, die zunehmend das Sicherheitsempfinden an Wiens Schulen erschüttert.

Gesellschaft unter Druck

„Die Schule ist ein Spiegel unserer Gesellschaft – mit all ihren Herausforderungen und Chancen“, erklärte eine Sprecherin der Bildungsdirektion Wien. Die vergangenen Jahre seien durch die Corona-Pandemie, internationale Krisen und wachsende Unsicherheit geprägt gewesen – Belastungen, die insbesondere junge Menschen stark getroffen hätten.

Zur Gewaltprävention kooperiert die Bildungsdirektion eng mit der Wiener Polizei. Zahlreiche Präventionsprojekte wie „All Right“, „Click & Check“, „Cyber Kids“ oder [email protected] sollen frühzeitig Bewusstsein schaffen. Auch mit der Rechtsanwaltskammer Wien bestehen Partnerschaften, um juristische Aufklärung und Unterstützung zu bieten.

Politische Kritik: „Alarmzeichen“

Der drastische Anstieg der Gewaltzahlen ruft jedoch auch heftige politische Reaktionen hervor. FPÖ-Wien-Chef Dominik Nepp sprach von einem „Offenbarungseid für die völlig gescheiterte rot-pinke Schulpolitik“. Besonders der ehemalige NEOS-Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr gerät in Nepps Kritik: „Er hat politisch völlig versagt.“

Auch von der Wiener ÖVP kommt scharfer Protest. Klubobmann Harald Zierfuß wirft der Stadtregierung vor, untätig zuzusehen, „wie Gewalt eskaliert“. Der von der ÖVP geforderte Aktionsplan zur Bekämpfung von Jugendgewalt liege bereits seit Monaten vor, werde aber nicht umgesetzt.

Gesellschaftliches Alarmsignal

Die Zahlen werfen ein grelles Schlaglicht auf die Realität an vielen Wiener Schulen – und zeigen, dass Prävention allein offenbar nicht mehr ausreicht. Während Polizei und Bildungsdirektion versuchen, durch Programme gegenzusteuern, fordern politische Stimmen nun konkrete Maßnahmen, ein stärkeres Durchgreifen – und eine Bildungsdebatte, die das Thema Sicherheit und Integration an Schulen in den Fokus rückt.

Credit: BMI

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