Zum Jahrestag des Reaktorunfalls sorgte ein Bericht des Bayerischen Rundfunks für Kritik – und Grünen-EU-Abgeordnete Lena Schilling legte mit fragwürdigen Zahlen nach. Eine Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Fakten.
Was am 11. März 2011 wirklich geschah
Der Ausgangspunkt ist unstrittig: Wie das Multipolar-Magazin zum 15. Jahrestag dokumentiert, erschütterte am 11. März 2011 ein Erdbeben der Stärke 9,0 die japanische Hauptinsel Honshu. Der dadurch ausgelöste Tsunami brach mit bis zu 15 Meter hohen Wellen über das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi herein und löste Kernschmelzen in drei Reaktorblöcken sowie Wasserstoffexplosionen aus. Rund 18.500 Menschen verloren ihr Leben – durch die Naturkatastrophe, nicht durch Strahlung. Rund 160.000 Anwohner mussten das Gebiet verlassen.
BR schreibt Tsunami-Tote zu Atomopfern um – und korrigiert sich
Genau diese Unterscheidung verwischte der Bayerische Rundfunk zum Jahrestag. Wie die Weltwoche berichtet, veröffentlichte BR24 eine Meldung, deren erster Satz suggerierte, die rund 20.000 Todesopfer seien Folgen des Reaktorunfalls – nicht des Tsunamis. Nach öffentlicher Kritik räumte der Sender ein, die Formulierung sei „missverständlich“ gewesen, und korrigierte die Passage. Wie Apollo News festhält, sind direkte Tote durch die Kernschmelze bis heute nicht nachgewiesen – ein Mitarbeiter starb bei einem Kranunfall auf dem Gelände.
Lena Schilling: Millionen Vertriebene?
Auch Grünen-EU-Abgeordnete Lena Schilling nutzte den Jahrestag für eine Stellungnahme. Wie exxpress.at berichtet, erklärte Schilling, die Katastrophe habe „Millionen Menschen ihr Zuhause genommen und ganze Regionen auf Jahrzehnte unbewohnbar gemacht.“ Tatsächlich waren es laut übereinstimmenden internationalen Quellen rund 160.000 evakuierte Menschen. Und wie The European Circle unter Berufung auf japanische Behörden berichtet, machen Gebiete, für die aktuell noch Evakuierungsbefehle gelten, lediglich etwa 2,2 Prozent der gesamten Landfläche der Präfektur Fukushima aus.
Die tatsächlichen gesundheitlichen Folgen
Wie das Portal Klimanachrichten unter Berufung auf Studien von UNSCEAR und IAEA festhält, starben durch die überstürzte Evakuierung der 20-Kilometer-Zone rund 2.300 Menschen indirekt – durch Stress, Erschöpfung, Unterbrechung medizinischer Versorgung sowie Suizide infolge des Heimatverlusts. Direkte Strahlentote in der Bevölkerung wurden hingegen nicht nachgewiesen.
Die Debatte rund um Fukushima bleibt politisch aufgeladen – gerade jetzt, da EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, wie das Multipolar-Magazin berichtet, die Abkehr von der Atomkraft als „strategischen Fehler“ bezeichnet und neue EU-Investitionen in Kernenergie plant. Für eine fundierte Diskussion wäre ein faktenbasierter Umgang mit der Geschichte von Fukushima eine unverzichtbare Grundlage.
Quellen:
- exxpress.at: ARD & Lena Schilling: So machen sie aus Fukushima den großen Atom-Mythos (14. März 2026): exxpress.at/news/ard-gewessler-schilling-so-machen-sie-fukushima-zum-atom-mythos
- Weltwoche: Fake-News-Schleuder ARD? (März 2026): weltwoche.ch
- Apollo News: BR behauptet, dass 20.000 Menschen durch AKW-Unfall in Fukushima gestorben seien (März 2026): apollo-news.net
- Multipolar-Magazin: 15 Jahre Fukushima (11. März 2026): multipolar-magazin.de/artikel/15-jahre-fukushima
- The European Circle: Fukushima und Tohoku – Wiederaufbau 15 Jahre nach der Atomkraftwerkskatastrophe (März 2026): european-circle.de
- Klimanachrichten.de: Fukushima, der 15. Jahrestag (März 2026): klimanachrichten.de
- UNSCEAR / IAEA (Primärquellen der zitierten Studiendaten)
Credits: APA
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