Walzer, Champagner, funkelnde Roben – und mittendrin eine politische Kampfansage. Grünen-EU-Abgeordnete Lena Schilling sorgte beim 68. Wiener Opernball für den ersten Aufreger des Abends. Mit Banner und Protestkleid platzte sie in die Eröffnung.
„Tax the Rich, Save the Climate“
Noch bevor der erste Walzer erklang, entrollte Schilling am roten Teppich ein Banner mit der Aufschrift „Nobel geht die Welt zugrunde“. Wie Exxpress berichtet, wirkte die Aktion zwischen funkelnden Kronleuchtern und festlicher Abendgarderobe für viele Beobachter wie eine kalkulierte Provokation.
Auch ihr Kleid war alles andere als dezent: „Tax the Rich, Save the Climate“ – also „Besteuert die Reichen, rettet das Klima“ – prangte in großen roten Lettern auf der weißen Robe. Die Botschaft war unmissverständlich: Statt Glanz und Glamour sollte es um Steuergerechtigkeit gehen.
Die Begründung: 400 Superreiche im Visier
Im Interview mit oe24.TV erklärte die 25-Jährige ihre Aktion. „Die zehn reichsten Haushalte in Österreich sind für über die Hälfte des klimaschädlichen CO2 verantwortlich“, so Schilling. Gleichzeitig werde das Leben für Normalverdiener immer weniger leistbar.
Wie Oekonews berichtet, legte Schilling in einer Aussendung nach: „Wir können die Klimakrise nicht verhindern, solange Superreiche mit ihrem unbesteuerten Erbe leben, als gäbe es kein Morgen. Dieses Dynastiegeld haben sie nicht mehr verdient als armutsgefährdete Kinder. Es wäre in Kindergärten, Öffi-Tickets und Krankenhäusern besser investiert.“
Ihr Protest richte sich nicht gegen einzelne Opernball-Gäste, betonte sie laut Heute.at, „sondern um die 400 Superreichen in Österreich mit mehr als 100 Millionen Vermögen, die Profite mit der Zerstörung unseres Planeten machen.“
Klimaschäden: 738 Milliarden Euro seit 1980
Schilling argumentierte mit konkreten Zahlen. Extremwetter habe seit 1980 in Europa Schäden in Höhe von 738 Milliarden Euro verursacht. „Was hätte man mit dem Geld alles für Klimaschutz, Bildung und unser Gesundheitssystem tun können?“, fragte sie laut 5min.at.
„Nobel geht die Welt zugrunde. Zumindest hier, neben Fossil und Reich, gesponsert von der OMV“, so Schilling weiter. Sie forderte: „Wer es sich leisten kann, mit dem Privatjet von Salzburg nach Wien zu jetten, muss Verantwortung übernehmen und für die Kosten der eigenen Klimazerstörung geradestehen.“
Vorbild Alexandria Ocasio-Cortez
Der Auftritt erinnert an die US-Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez, die 2021 bei der Met Gala ebenfalls mit einem „Tax the Rich“-Kleid auftauchte. Wie oe24 berichtet, nutzte auch Schilling bewusst die Bühne eines Society-Events, um ihre politische Botschaft zu platzieren.
Auf Instagram legte sie nach: „Superreiche machen unser Klima kaputt, weil sie leben, als gäbe es kein Morgen. Gerade deswegen ist es höchste Zeit, dass wir Superreiche besteuern.“
Zwischen Provokation und Statement
Die Reaktionen fielen gemischt aus. Während einige die Aktion als mutiges Statement werteten, sahen Kritiker darin vor allem Selbstinszenierung. Der Opernball sei traditionell ein gesellschaftliches Ereignis – kein Parteitag.
Wie Vienna Online berichtet, war Schillings Auftritt das erste politische Statement des Abends. Dass ausgerechnet die Eröffnung für eine derart plakative Aktion genutzt wurde, empfanden manche Gäste als unpassend.
Nicht der erste Opernball-Protest
Schilling ist keine Unbekannte bei Opernball-Protesten. Wie Euronews berichtete, hatte sie bereits 2023 – damals noch als 22-jährige Fridays-for-Future-Aktivistin – mit einem Banner „Ihr tanzt, wir verbrennen“ die Oper gestört. Damals sagte sie: „Sie baden im Luxus und gehen zum Opernball, während gleichzeitig unsere Lebensgrundlage abbrennt.“
Mittlerweile sitzt Schilling als Abgeordnete im Europäischen Parlament – und wählt weiterhin die große Bühne für ihre Botschaften.
Politprominenz ohne Protest
Neben Schilling waren laut ORF auch andere Politiker am Ball: Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) feierte seine Ballpremiere als Kulturminister, Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) brachte ihre Kolleginnen aus Albanien und den Philippinen mit, Bundespräsident Alexander Van der Bellen kam mit Ehefrau Doris Schmidauer.
Bundeskanzler Christian Stocker musste wegen eines EU-Gipfels passen – an seiner Stelle nahm Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) teil.
Die Frage bleibt: Passt das zusammen?
Die zentrale Frage nach Schillings Auftritt: Kann man glaubwürdig gegen Luxus und Reichtum protestieren – während man selbst am teuersten Society-Event des Landes teilnimmt? Kritiker sehen darin einen Widerspruch. Unterstützer argumentieren: Gerade dort müsse die Botschaft platziert werden, wo die Zielgruppe sitzt.
Was bleibt, ist ein Opernball-Auftritt, der mehr über Steuerdebatten und Klimaschutz diskutiert wurde als über Roben und Walzer – und der zeigt, dass die Grenze zwischen politischem Statement und Selbstinszenierung fließend ist.
Credits: APA
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