Die spektakuläre Festnahme von Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte ging um die Welt. Doch während der Ex-Präsident in New York auf seinen Prozess wartet, läuft in Venezuela ein gewaltiger Schattenmotor fast ungestört weiter. Im Zentrum steht das berüchtigte „Cartel de los Soles“ – das Kartell der Sonnen. Wie die Weltwoche berichtet, warnen Ermittler und Experten davor, den Schlag gegen Maduro mit dem Ende des Drogenhandels gleichzusetzen. Das Kartell ist tiefer verwurzelt, als viele ahnen.
Ein Netzwerk statt einer Pyramide
Anders als klassische Mafia-Organisationen oder Drogenkartelle wie das von Pablo Escobar verfügt das „Cartel de los Soles“ nicht über eine straffe, vertikale Hierarchie. Es gibt keinen einzelnen „Paten“, dessen Verhaftung das System kollabieren ließe. Stattdessen handelt es sich, wie US-Ermittler laut Weltwoche berichten, um ein loses, aber hocheffektives Netzwerk.
Die Akteure rekrutieren sich direkt aus dem venezolanischen Staatsapparat: Militärs, Geheimdienstler und Politiker arbeiten Hand in Hand. Der Name des Kartells bezieht sich auf die Sonnen-Abzeichen, die Generäle der venezolanischen Armee auf ihren Uniformen tragen. Doch die Struktur reicht weit tiefer – vom einfachen Soldaten an der Straßensperre bis in die höchsten Offiziersränge der Streitkräfte. Jeder verdient mit, jeder schützt das System.
Die lukrative Route über die Grenze
Das Geschäftsmodell ist so simpel wie profitabel. Laut Erkenntnissen der US-Justiz und Geheimdienste, auf die sich die Weltwoche beruft, nutzt Venezuelas Machtapparat seine geografische Lage und militärische Infrastruktur als Transitdienstleister. Das Kokain selbst wird meist im Nachbarland Kolumbien produziert.
Von dort gelangt der Stoff über die durchlässige Grenze nach Venezuela. Hier übernehmen die uniformierten Partner des Kartells. Offiziere sichern gegen stattliche Bezahlung die Transporte ab, während das Kokain über venezolanisches Territorium in Richtung Karibik und schließlich nach Nordamerika geschmuggelt wird. Hunderte Millionen Dollar sollen so erwirtschaftet werden – Geld, das das System auch in Zeiten wirtschaftlicher Krisen schmiert.
Warum das Kartell so schwer zu fassen ist
Bereits im Jahr 2020 hatte die US-Justiz Nicolás Maduro wegen „Narco-Terrorismus“ angeklagt. Nun muss er sich diesen Vorwürfen stellen. Doch Experten, die von der Weltwoche zitiert werden, dämpfen die Hoffnung auf ein schnelles Ende der illegalen Geschäfte. Eine Zerschlagung des Netzwerks im Land selbst gilt als äußerst unwahrscheinlich.
Das Problem liegt in der Dezentralität. Da das „Cartel de los Soles“ keine klassische Organisation mit einer klaren Führungsstruktur ist, können lokale Akteure auch ohne eine zentrale Figur wie Maduro weitermachen. Von korrupten Militärs bis hin zu paramilitärischen Gruppen – die Profiteure des Drogenhandels sind zahlreich und agieren oft autonom in ihren Einflussgebieten.
Die Festnahme Maduros mag ein politisches Erdbeben ausgelöst haben, doch die ökonomischen Triebfedern des Drogenhandels bleiben intakt. Solange die Route über Venezuela Milliardengewinne verspricht und staatliche Strukturen den Schmuggel decken, wird das Kartell der Sonnen wohl kaum untergehen – auch wenn sein prominentester Kopf nicht mehr im Land ist.
Credits: APA
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