Rasen, Falschparken, Rotlicht: So teuer werden Verkehrsstrafen ab 2027

Rasen, Falschparken, Rotlicht: So teuer werden Verkehrsstrafen ab 2027

Egal ob Wien oder Vorarlberg – ab 1. Jänner 2027 gilt für Verkehrssünder in ganz Österreich dieselbe Strafe für dasselbe Vergehen. Die Regierung vereinheitlicht damit einen seit Jahren bemängelten Fleckerlteppich – hebt die Bußgelder dabei aber im Schnitt um die Hälfte an.

Ein Ende der Bundesländer-Lotterie

Bislang konnte es für ein und dasselbe Verkehrsdelikt je nach Bundesland unterschiedlich teuer werden. Genau das ändert sich nun: Das Bundesministerium für Mobilität hat den neuen, bundesweit einheitlichen Verkehrsstrafen-Katalog veröffentlicht. Enthalten sind mehr als 100 Delikte, die künftig österreichweit gleich sanktioniert werden. Wie news.ORF.at berichtet, wird die zugrunde liegende Verordnung nicht mehr in Begutachtung geschickt, sondern tritt direkt mit 1. Jänner 2027 in Kraft – ergänzt durch eine Novelle der Straßenverkehrsordnung. Bei Delikten ohne unmittelbaren Sicherheitsbezug, etwa bestimmten Parkverstößen, orientiert sich die neue einheitliche Höhe jeweils am bislang höchsten Landesniveau.

Was künftig konkret kostet

Wer im Ortsgebiet mit dem Tempolimit von 50 km/h bis zu 10 km/h zu schnell unterwegs ist, zahlt künftig 60 Euro, bei 10 bis 15 km/h sind es 80 Euro, bei 15 bis 20 km/h bereits 105 Euro. Auf Freilandstraßen mit 100 km/h Limit reicht die Spanne von 50 Euro (bis 10 km/h) bis 120 Euro (25 bis 30 km/h), auf Autobahnen mit 130 km/h Limit von 40 bis 120 Euro. Wer bei Gelb noch in die Kreuzung einfährt, zahlt 70 Euro, bei Rot bereits 100 Euro. Auch Alltagssünden werden teurer: Blinker vergessen kostet künftig 70 Euro, Halten oder Parken im Verbot sowie eine überzogene Kurzparkzeit jeweils 60 Euro, unberechtigtes Parken auf einem Behindertenparkplatz 120 Euro. Besonders happig wird es bei der Rettungsgasse: Wer diese nicht bildet oder unbefugt befährt, muss mit 200 Euro rechnen, die Missachtung des Rechtsfahrgebots kostet 100 Euro.

Deutlich schärfer bei Rasern

Noch spürbarer fällt die Verschärfung bei besonders starken Tempoüberschreitungen aus. Wie Der Standard berichtet, steigt der Strafrahmen bei Überschreitungen von mehr als 30 km/h von bisher 150 bis 5.000 Euro auf künftig 200 bis 5.000 Euro. Bei mehr als 40 km/h im Ortsgebiet beziehungsweise mehr als 50 km/h außerorts wird der Rahmen von 300 bis 5.000 Euro auf 400 bis 6.000 Euro angehoben.

Warum die Regierung jetzt handelt

Als Begründung verweist das Ministerium auf die gestiegenen Unfallzahlen des Jahres 2025. Nach Angaben der Statistik Austria war nicht angepasste Geschwindigkeit bei mehr als 16 Prozent aller Verkehrsunfälle mit Verletzten die Ursache, bei rund einem Drittel der tödlichen Unfälle spielte überhöhte Geschwindigkeit eine entscheidende Rolle. „Die aktuellen Unfallzahlen zeigen klar, dass weiterer Handlungsbedarf besteht“, erklärte Mobilitätsminister Peter Hanke (SPÖ) in einer Aussendung. Wer Verkehrsregeln missachte, gefährde nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer.

Der ÖAMTC: Ja zur Vereinheitlichung, Kritik an der Höhe

Der Mobilitätsclub ÖAMTC begrüßt die Harmonisierung grundsätzlich als „sinnvollen und auch längst überfälligen Schritt“, wie Chefjurist Martin Hoffer in einer Aussendung erklärte – der zuständige Verkehrsminister habe schon seit Jahren die Möglichkeit, einen bundesweiten Katalog zu schaffen. Deutlich kritischer sieht der Club aber das Ausmaß der Erhöhung: Im Schnitt steigen die Strafen um rund 50 Prozent, was laut Hoffer „deutlich über der Inflationsrate“ liege. Es sei „weder realistisch noch redlich“, darauf zu setzen, dass Menschen strafbare Handlungen begehen, um auf diesem Weg ein Budget zu sanieren, warnte der ÖAMTC-Jurist. Weiteren Handlungsbedarf sieht der Club zudem bei den sogenannten Organmandaten – jenen Delikten, die von der Polizei direkt vor Ort bei einer Anhaltung geahndet werden und bislang von der Vereinheitlichung ausgenommen sind.

Auch fürs Budget gedacht

Dass die höheren Strafen nicht nur der Verkehrssicherheit dienen sollen, räumt die Regierung selbst ein: Laut Minister Hanke sollen die neuen Sätze der Staatskasse geschätzt bis zu 80 Millionen Euro zusätzlich bringen. Der zentrale Punkt bleibe aber die Verkehrssicherheit, betonte Hanke – im Optimalfall würden durch die höheren Strafen künftig schlicht weniger Delikte begangen.

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