Polizei testet flexibles Dienstsystem: 600 Euro Bonus in fünf Bezirken

Polizei testet flexibles Dienstsystem: 600 Euro Bonus in fünf Bezirken

Die Polizei bekommt ein neues Dienstzeitmodell, das sich stärker an der tatsächlichen Sicherheitslage orientieren soll. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) präsentierte den Plan am Montag gemeinsam mit dem Wiener Landespolizeipräsidenten Gerhard Pürstl und der stellvertretenden Bezirkspolizeikommandantin von Bregenz, Amy King.

Ein einheitliches System für Stadt und Land

Ziel des neuen Dienstzeitmanagements ist ein einheitliches und faires Dienstsystem für alle Polizistinnen und Polizisten – sowohl in großen städtischen Dienststellen als auch in kleineren Polizeiinspektionen im ländlichen Raum. Konkret soll Polizeipräsenz künftig gezielter zu jenen Zeiten und an jenen Orten sichergestellt werden, an denen sie für die Sicherheit der Bevölkerung tatsächlich notwendig ist.

Testphase in fünf Bezirken ab 1. September

Die Einführungs- und Testphase startete am 1. September 2026 in fünf Bezirken: Bregenz in Vorarlberg, Linz in Oberösterreich, Leibnitz in der Steiermark, Gänserndorf in Niederösterreich sowie Wien-Brigittenau. Beamte, die in diesen Bezirken am neuen System mitwirken, erhalten dafür 600 Euro als Anerkennung, für die Dienstplaner sind zusätzlich zwei Tage Zeitausgleich vorgesehen.

„Definitiv kein Sparprogramm“

Karner betonte ausdrücklich, dass es sich bei der Reform nicht um eine Sparmaßnahme handle: „Das neue Dienstzeitmanagement ist definitiv kein Sparprogramm. Wer gleich viel arbeitet, wird auch gleich viel verdienen. Wer mehr Stunden leistet, wird auch mehr verdienen können als bisher.“ Behauptungen, wonach Polizistinnen und Polizisten dadurch finanzielle Einbußen erleiden würden, seien schlicht falsch, so der Minister.

Kritik am bisherigen starren Schema

Landespolizeipräsident Pürstl erläuterte den zentralen Vorteil des neuen Systems anhand der aktuellen Situation in Wien: „Wir haben in Wien in den Polizeiinspektionen ein sehr starres Dienstsystem. Jeden Tag sind gleich viele Polizistinnen und Polizisten im Dienst. Das derzeitige System richtet sich nämlich nicht nach dem Bedarf oder nach dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung – es richtet sich nach einem starren Schema.“ Mit dem neuen Modell sollen Beamte künftig genau dann im Dienst sein, wenn sie tatsächlich gebraucht werden – und zudem frühzeitig wissen, wann Überstunden anfallen, statt spontan kommandiert zu werden.

Zweijährige Projektphase mit laufender Anpassung

Das neue Dienstzeitmodell wird laut Innenministerium in einer zweijährigen Projektphase mit umfangreichen Test- und Evaluierungsschritten schrittweise umgesetzt. Erkenntnisse aus der Praxis sollen dabei laufend einfließen. „Dort, wo Anpassungen nötig sind, werden diese auch vorgenommen“, versicherte Karner.

Zusätzliche Erhöhung der Nacht- und Wochenendzulage

Neben dem neuen Dienstsystem kündigte der Innenminister eine weitere finanzielle Verbesserung an: Ab Jänner 2027 wird die Wochenend- und Nachtdienstzulage von zwei auf vier Euro pro Stunde verdoppelt. Karner bezeichnete das als „verdiente Anerkennung für die oft schwierigen Nacht- und Wochenendstunden“.

Ein Reformprojekt mit offenem Ausgang

Ob sich das neue, stärker am tatsächlichen Bedarf orientierte Dienstzeitmodell in der Praxis bewährt, wird sich erst im Laufe der zweijährigen Testphase in den fünf Pilotbezirken zeigen. Sollte sich das System bewähren, ist eine Ausweitung auf weitere Bezirke naheliegend – konkrete Pläne dazu wurden bislang aber nicht kommuniziert.

Credits: Christopher Dunker, BKA

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