Pinkes Knittelfeld? Bei den NEOS brodelt es unter der Oberfläche

Pinkes Knittelfeld? Bei den NEOS brodelt es unter der Oberfläche

Nach außen hin gibt sich die pinke Partei geschlossen. Doch hinter den Kulissen wächst der Unmut – über den Führungsstil von Parteichefin Beate Meinl-Reisinger, über öffentliche Auftritte und über politische Kursänderungen, die manchen Parteigängern bitter aufstoßen. Droht den NEOS ein Knittelfeld in Pink?

Opernball-Loge und Koordinierungsstelle: Symbolik mit Sprengkraft

Den jüngsten Zündstoff lieferte der Wiener Opernball: Meinl-Reisinger erschien als einzige Regierungsvertreterin nicht in der gemeinsamen Regierungsloge, sondern in einer eigenen. Wer die Kosten dafür trägt, ist laut exxpress noch ungeklärt – die FPÖ hat bereits eine parlamentarische Anfrage angekündigt. Für eine Partei, die Transparenz zum Markenzeichen gemacht hat, ist das eine heikle Geschichte.

Noch kostspieliger ist eine andere Sache: Im Außenministerium von Meinl-Reisinger wurde eine eigene NEOS-Koordinierungsstelle eingerichtet. Laut parlamentarischer Anfrage belaufen sich die jährlichen Kosten darauf auf rund 700.000 Euro.

Wirtschaftsliberaler Flügel fühlt sich abgehängt

Doch der eigentliche Riss verläuft tiefer – inhaltlich und personell. Wie exxpress berichtet, fühlen sich wirtschaftsliberale Kräfte innerhalb der Partei zunehmend marginalisiert. Als sichtbarstes Beispiel gilt die Postenbesetzung für einen EU-Job: Der langjährige NEOS-Wirtschaftssprecher Gerald Loacker, der sich beworben hatte, wurde dabei übergangen. Intern sorgte das für Verstimmung. Loacker selbst wollte auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben.

Vorausgegangen war die Absetzung von Veit Dengler als außenpolitischer Sprecher – nach einem Interview, das der Parteilinie widersprach. Auch die langjährige Abgeordnete Stephanie Krisper zog die Konsequenz und verließ den Nationalrat. Ihr Abschiedsstatement war unmissverständlich: Sie habe sich in einem „Loyalitätskonflikt zwischen dem, wofür ich mich als Abgeordnete eingesetzt habe, und den Neos als Regierungspartei“ befunden – wie profil berichtete.

Selbst Nikolaus Scherak, als Nachfolger von Meinl-Reisinger als Klubobmann vorgesehen, lehnte das Amt ab – was Beobachter als Skepsis gegenüber dem Koalitionskurs werteten.

Schellhorn und Wiederkehr: Mehr Ärger aus den eigenen Reihen

Auch andere NEOS-Regierungsmitglieder sorgen nicht unbedingt für Rückenwind. Staatssekretär Sepp Schellhorn bezeichnete die Österreicher als „mieselsüchtig“ – und löste damit einen kleinen Sturm aus. Bildungsminister Christoph Wiederkehr wiederum steht wegen seines „Plans Z“ unter Beschuss, der vorsieht, Latein als Pflichtfach zurückzudrängen. In einem offenen Brief und einer Petition fordern prominente Unterzeichner – darunter Literaturnobelpreisträger Peter Handke und Elfriede Jelinek sowie Physik-Nobelpreisträger Anton Zeilinger – den uneingeschränkten Erhalt des Fachs mit mindestens zwölf Wochenstunden.

Umfragen zeigen den Absturz

Die Zahlen machen die Lage noch deutlicher: Laut einer Erhebung der Lazarsfeld Gesellschaft vom Februar 2026 liegen die NEOS nur noch bei 7 Prozent – bei der Nationalratswahl 2024 hatten sie noch 9,1 Prozent erreicht, davor lagen sie in Umfragen sogar zwischen 10 und 14 Prozent. Während die NEOS verlieren, legt die FPÖ in der Opposition auf 36 Prozent zu.

NEOS-Klubobmann Yannick Shetty versucht zu beschwichtigen und spricht gegenüber den Oberösterreichischen Nachrichten von einer „lebendigen Partei“, in der es „selbstverständlich auch zu Debatten“ komme. Man ziehe aber „an einem Strang.“ Ob das stimmt – oder ob das pinke Knittelfeld näher ist als gedacht – wird die Zeit zeigen.


Quellen: exxpress.at (19.02.2026); profil.at; nachrichten.at; Lazarsfeld Gesellschaft (Umfrage Februar 2026); APA; Oberösterreichische Nachrichten
Credits: APA

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