Inhaltliche Kompromisse, teure Postenbesetzungen und sinkende Umfragewerte: Im Neos-Parlamentsklub wächst der Unmut über den Regierungskurs. Droht Österreich ein neuer politischer Knall – diesmal in Pink?
Der historische Vergleich
Knittelfeld, 2002: Der FPÖ-Parlamentsklub sprengte unter Klub-Obmann Peter Westenthaler die eigene Regierungsbeteiligung in die Luft – Neuwahlen folgten. Heute zieht dieser Begriff politische Kreise, nur eben in Pinky-Farbe. Sowohl der Exxpress als auch der Standard – politisch ein ungewöhnliches Tandem – berichten übereinstimmend von „Frust und Unzufriedenheit“ im Neos-Parlamentsklub. Wenn selbst medial gegensätzliche Blätter zum gleichen Befund kommen, lohnt ein genauerer Blick.
Meinl-Reisinger hat sich arrangiert – der Klub nicht
Parteichefin Beate Meinl-Reisinger scheint in ihrer Rolle als Außenministerin angekommen. Reisen von Kiew bis New York, Treffen mit Staatschefs, Auftritt beim Opernball – wenn auch in einer eigenen Loge statt in der gemeinsamen Regierungsloge, was laut Exxpress noch ungeklärte Kostenfragen aufwirft. Im Außenministerium richtete sie zudem eine eigene Neos-Koordinierungsstelle mit sieben Mitarbeitern ein.
Besonders für Wirbel sorgt laut FPÖ-Parlamentsklub die Bestellung des ehemaligen Neos-Bundesgeschäftsführers Feri Thierry zum Leiter der Stabsstelle Strategie und Planung im Außenamt – ohne Ausschreibung, mit einem Monatsgehalt von 12.000 Euro. Die FPÖ hat bereits eine parlamentarische Anfrage angekündigt.
Die inhaltliche Zwickmühle der Abgeordneten
Während sich die Parteispitze in der Regierung eingerichtet hat, sitzt der Parlamentsklub in der Klemme. Abgeordnete wie Niki Scherak müssen nun Beschlüsse mitverantworten – darunter die Messenger-Überwachung –, die sie in der Opposition noch scharf kritisiert hatten. Sophie Wotschke, einst als Antikorruptions-Aufdeckerin bekannt, steht vor der undankbaren Aufgabe, zweifelhafte Postenvergaben der eigenen Regierungsmannschaft zu verteidigen.
Bezeichnend: Nikolaus Scherak – als Nachfolger von Meinl-Reisinger als Klubobmann vorgesehen – lehnte das Amt laut exxtra24 ab, was Beobachter als deutliches Zeichen der Skepsis gegenüber dem Koalitionskurs werteten.
Shetty unter Druck, Umfragen im Keller
Klub-Obmann Yannik Shetty soll laut Exxpress „auffällig nervös“ wirken. Kein Wunder: Er muss einen Parlamentsklub zusammenhalten, dem das Regieren inhaltlich zunehmend gegen den Strich geht. Zusätzlichen Druck machen die Umfragewerte – laut einer Erhebung der Lazarsfeld Gesellschaft vom Februar 2026 liegen die Neos nur noch bei sieben Prozent, nach 9,1 Prozent bei der Nationalratswahl 2024.
Staatssekretär Sepp Schellhorn sorgte mit der Aussage, Österreicher seien „mieselsüchtig“, für einen öffentlichen Sturm. Bildungsminister Christoph Wiederkehr steht wegen seines „Plans Z“ zur Zurückdrängung von Latein als Pflichtfach unter Druck: Nobelpreisträger Peter Handke, Elfriede Jelinek und Anton Zeilinger haben dagegen protestiert.
Wein predigen, Wasser trinken
Das eigentliche Problem der Neos in der Regierung ist ein grundsätzliches: 13 Jahre lang kritisierten sie aus der Opposition heraus Postenschacher, aufgeblähte Kabinette und mangelnde Transparenz. Jetzt müssen ihre Abgeordneten erklären, warum die eigene Regierungsmannschaft genau das tut, was sie einst anprangerten. Wie der Standard es nennt: ein „Spagat zwischen Ambition und Anpassung“.
Ob aus diesem Spagat ein Knittelfeld 2.0 wird, ist offen. Zu viele haben sich arrangiert – von Meinl-Reisinger bis zu den Dutzenden Mitarbeitern in gut dotierten Kabinettsposten. Der politische Preis eines Ausstiegs wäre hoch. Die Frage ist nur, wie lange der Klub den inneren Druck noch aushält.
Quellen: Exxpress, Der Standard, exxtra24, profil.at, FPÖ-Parlamentsklub, Lazarsfeld Gesellschaft (Umfrage Februar 2026), APA
Credits: APA
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