Die Bundesregierung will die §57a-Begutachtung entbürokratisieren und Autofahrer entlasten. Das Ergebnis ist bisher das Gegenteil: Zwei Millionen Fahrzeughalter müssen laut ÖAMTC extra zur Prüfstelle — wegen eines Übergangsproblems, das die Regierung selbst verursacht.
Was geplant ist
Mobilitätsminister Peter Hanke (SPÖ) hat eine Reform der §57a-Begutachtung angekündigt, die laut vol.at und derfinanzcheck.at mit 1. Oktober 2026 in Kraft treten soll. Das neue System: statt der bisherigen 3-2-1-Regelung (erste Prüfung nach drei Jahren, dann alle zwei, dann jährlich) gilt künftig ein 4-2-2-2-1-System. Neuwagen müssen erst nach vier Jahren zum ersten Pickerl, dann mehrfach im Zwei-Jahres-Rhythmus — bis ab dem zehnten Jahr wieder jährlich geprüft wird. Laut orf.at soll damit das EU-Minimalstandard-Niveau erreicht werden. Der Grundgedanke: weniger Fahrten zur Prüfstelle, weniger Kosten.
Das Problem: Zwei Millionen müssen trotzdem hin
Wäre da nicht das Übergangsproblem, das der ÖAMTC öffentlich anprangert. Weil das Gesetz in bereits laufende Begutachtungsperioden eingreift, müssen laut ÖAMTC-Interessenvertreter Bernhard Wiesinger rund zwei Millionen Fahrzeughalter eine Prüfstelle extra aufsuchen — nicht um das Pickerl zu machen, sondern allein um eine neue Plakette abzuholen und den aktualisierten Fälligkeitstermin in der zentralen Prüfdatenbank eintragen zu lassen. Wie orf.at berichtet, entstehen dabei Verwaltungskosten von rund 23 Millionen Euro. „Dieser Mehraufwand müsste nicht sein, wenn man mit neuen Intervallen gleichzeitig auch das angekündigte ‚digitale Pickerl‘ einführen würde“, sagte Wiesinger laut nachrichten.at.
Toleranzfrist fällt weg — Vorab-Pickerl kommt
Eine weitere Änderung, die bisher wenig Beachtung fand: Die bisherige Toleranzfrist — die Möglichkeit, das Pickerl bis zu vier Monate nach dem Fälligkeitstermin noch nachzuholen — entfällt laut orf.at komplett. Als Ausgleich soll das Pickerl künftig bis zu vier Monate vor dem Termin gemacht werden können. Der ÖAMTC fordert laut seiner eigenen Aussendung eine Aufklärungskampagne des Verkehrsministeriums — wer die Änderung nicht kennt, riskiert künftig sofort ein ungültiges Fahrzeug.
WKÖ lobt, ÖAMTC und Fahrzeugtechniker mahnen
Die Wirtschaftskammer begrüßt laut orf.at die Reform grundsätzlich. Der ÖAMTC und die Innung der Fahrzeugtechniker sehen das differenzierter. Beim Sicherheitsaspekt verweist der ÖAMTC auf internationale Studien, die eine korrelative Wirkung seltenerer Begutachtungen auf das Unfallgeschehen zeigen — trotzdem fehlen österreichische Daten. „Wir sehen hier den Gesetzgeber in der Pflicht, genau zu beobachten und valide Daten zu erheben, um notfalls rasch gegensteuern zu können“, fordert Wiesinger laut ÖAMTC-Website.
EINORDNUNG DER REDAKTION
Die Idee hinter der Reform ist vernünftig — und in der EU längst Standard. Dass die Umsetzung zwei Millionen Betroffene mit einem Zusatzaufwand belastet, der durch ein parallel eingeführtes digitales Pickerl vermeidbar wäre, ist kein kleines Detail. Es ist genau jenes „nicht zu Ende gedachte“ Vorhaben, das Schellhorns Entbürokratisierungspaket häufig vorgeworfen wird — und das die Reform von einer echten Entlastung zu einem Ärgernis macht.
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