Parade ohne Panzer, Krieg ohne Ende: Putin vor dem größten Glaubwürdigkeitsverlust seiner Ära

Parade ohne Panzer, Krieg ohne Ende: Putin vor dem größten Glaubwürdigkeitsverlust seiner Ära

Vier Jahre Ukraine-Krieg, eine abgespeckte Militärparade zum Tag des Sieges — und eine wachsende Unzufriedenheit, die erstmals auch das Militär erfasst. Putins Rückhalt bröckelt, langsam aber merklich.

Parade ohne Panzer — Drohnenangst statt Siegesstolz

Zu keiner Feier wird in Russland mehr Aufwand betrieben als zum 9. Mai. Der Tag des Sieges über Nazi-Deutschland ist das wichtigste staatliche Ritual, seit zwei Jahrzehnten Bühne für gepanzerte Stärke und nuklear bestückbare Raketensysteme. Heuer marschieren laut oe24 nur Kadetten und Soldaten im Stechschritt über den Roten Platz — Panzer, Artillerie und Raketensysteme bleiben weg. Der Grund ist die Angst vor ukrainischen Drohnenangriffen. Kremls-Sprecher Dmitri Peskow sprach von „terroristischen Bedrohungen“, ausländische Medien wurden kurzfristig ausgeladen.

Moskau drohte vorsorglich mit Gegenschlägen auf Kiew und rief Botschaftspersonal anderer Staaten auf, die ukrainische Hauptstadt zu verlassen.

1.418 Tage — und kein Sieg

Der von Putin beschworene Vergleich mit dem Großen Vaterländischen Krieg wird für ihn zur wachsenden Bürde. Wie oe24 berichtet, wurde Anfang des Jahres die Marke von 1.418 Kriegstagen überschritten — genau so lange dauerte es einst, bis die Rote Armee nach Hitlers Überfall Berlin einnahm. Putins Krieg gegen die Ukraine dauert also bereits länger als die gesamte sowjetische Verteidigungsleistung im Zweiten Weltkrieg.

Dabei hielt die russische Propaganda 2021 noch große Töne: RT-Chefin Margarita Simonjan hatte in einem Interview davon gesprochen, die Ukraine in zwei Tagen besiegen zu können. Nun hängen russische Soldaten im Donbass fest — gegen einen Feind, der sie mit Drohnentechnik gerade im Rückraum schlägt, wie oe24 festhält.

Telegram-Abschaltung bringt Militär gegen Putin auf

Der ungewöhnlichste Riss zeigt sich nicht in der Bevölkerung, sondern im Militär selbst. Putin ordnete wiederholt die Abschaltung von Internet und Messenger-Diensten — darunter Telegram — in frontnahen Regionen an. Das trifft Soldaten direkt: Warnmeldungen kommen nicht an, Koordination bricht zusammen.

Der einflussreiche russische Militärblog „Rybar“ kommentierte Putins Initiative laut oe24 ungewohnt scharf: „Unter der Bedingung, dass eine gute Alternative fehlt, ist das aber eher ein Schlag gegen die eigene Bevölkerung und die eigenen Streitkräfte.“ Selbst der Gouverneur der Region Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, beklagte öffentlich, dass die Sicherheit der Bevölkerung durch die Einschränkungen leide — Warnmeldungen kämen zu spät oder gar nicht an.

Wirtschaft, Drohnen, Popularität — alles unter Druck

Die ukrainischen Drohnenangriffe auf Raffinerien und Häfen weit hinter der Front — zuletzt Tuapse am Schwarzen Meer und die Millionenstadt Perm — demonstrieren laut oe24 die Hilflosigkeit der russischen Luftabwehr. Vier Jahre Kriegswirtschaft haben gleichzeitig zivile Branchen an den Rand gedrängt: Apps funktionieren nicht, Navigationssysteme spielen verrückt, kontaktloses Bezahlen fällt aus. Selbst Putin musste jüngst einen Rückgang des BIP eingestehen.

Kremlnahe Umfrageinstitute wie WZIOM und FOM verzeichnen sinkende Zustimmungswerte — absolut noch über 70 Prozent, aber teilweise auf dem tiefsten Stand seit Kriegsbeginn. Der ins Exil geflohene frühere Putin-Redenschreiber Abbas Galljamow hält die realen Werte laut oe24 für noch deutlich schlechter: Immer mehr Russen seien bereit, ihre Unzufriedenheit offen auszusprechen — trotz der Angst vor Repressionen.

Credits: APA

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x