ORF-Skandal weitet sich aus: 200.000 Euro und ein Stiftungsrat im Fokus

ORF-Skandal weitet sich aus: 200.000 Euro und ein Stiftungsrat im Fokus

Kaum ist Roland Weißmann weg, taucht die nächste brisante Geschichte aus dem Küniglberg auf. Diesmal geht es um einen aktuellen ORF-Stiftungsrat – und um viel Steuergeld.


Der Fall, der bisher totgeschwiegen wurde

Während der ORF-Stiftungsrat noch mit den Nachwehen des Weißmann-Rücktritts beschäftigt ist, rückt ein weiterer Fall in den Vordergrund. Wie oe24 berichtet, soll ein heute amtierender Stiftungsrat in der Vergangenheit als ORF-Manager ähnliche Vorwürfe auf sich gezogen haben wie Weißmann – also Vorwürfe unangemessenen Verhaltens gegenüber einer Mitarbeiterin. Der entscheidende Unterschied: Weißmann musste gehen. Dieser Mann sitzt noch immer im Kontrollgremium des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

ZiB2-Moderator Armin Wolf stellte die Frage, die viele im ORF intern schon länger beschäftigt, wie oe24 berichtet: Wie kann es sein, dass Weißmann wegen Vorwürfen zurücktreten musste, die er bestreitet, während ein früherer Manager mit ganz ähnlichen Vorwürfen heute noch Stiftungsrat ist?

Eine Mitarbeiterin, eine Kündigung – und ein Vergleich

Die Geschichte dahinter ist lang und läuft schon seit Jahren. Die betroffene Mitarbeiterin wurde nach den Vorfällen versetzt – auf eigenen Wunsch, um nicht mehr unter ihrem damaligen Vorgesetzten zu arbeiten. Vereinbart gewesen sei laut oe24 ein gleichwertiger Job. Den habe sie aus ihrer Sicht nie erhalten. Als sie den Bericht der ORF-Gleichbehandlungsbehörde – der Vorwürfe gegen ihren damaligen Vorgesetzten enthielt – publik machte, wurde sie vom ORF gekündigt. Kritiker im ORF sagen laut oe24 offen: Damit sei „der damalige ORF-Manager geschützt worden.“

Es kam zum arbeitsgerichtlichen Verfahren. Mehrere Zeugen sagten aus. Das Bild, das sich dabei laut oe24 ergab: verheerend. Im Herbst 2025 einigte sich der ORF schließlich außergerichtlich mit der Mitarbeiterin – und zahlte. Wie mehrere ORF-Insider gegenüber oe24 berichten, sollen dabei rund 200.000 Euro geflossen sein. Geld des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – und damit de facto Steuergeld.

Stiftungsrat und Rechnungshof prüfen

Dieser Fall dürfte bald offiziell auf der Tagesordnung des ORF-Stiftungsrats landen. Zwar wurden Verschwiegenheitserklärungen zwischen dem Ex-Manager und der damaligen Mitarbeiterin geschlossen – doch die Folgen des Gerichtsverfahrens könnten nun auch für den Rechnungshof relevant werden, der aktuell sämtliche ORF-Personalcausen unter die Lupe nimmt: Verträge, Spesen, Sonderzahlungen – das volle Programm.

Wie profil berichtet, prüft der Stiftungsrat im Zuge des Weißmann-Abgangs ohnehin alle Vorgänge rund um möglichen Machtmissbrauch im Unternehmen. Mehrere ORF-Spitzenvertreter fordern laut oe24 unmissverständlich: „Das muss jetzt endlich aufgeklärt werden und nicht länger zugeschüttet werden.“

Neue Vorwürfe gegen Weißmann

Parallel dazu prüft die Whistleblower-Stelle des ORF neue Meldungen gegen den zurückgetretenen Generaldirektor Roland Weißmann – zwei davon kamen per E-Mail von anonymen Absendern, wie oe24 berichtet. Im ORF rechnet man intern damit, dass noch weitere Meldungen folgen werden – und nicht nur gegen Weißmann.

Der Küniglberg bleibt ein brodelnder Vulkan. Die Frage ist nur, wer als Nächstes vom Ausbruch erfasst wird.


Quellen: oe24, profil, ORF, Tiroler Tageszeitung
Credits: APA

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