Kurz vor der Wahl des neuen ORF-Generaldirektors am 11. August 2026 bricht innerhalb der Koalition offen Streit aus. Die NEOS werfen ÖVP und SPÖ vor, die Besetzung nach Parteibuch zu betreiben – und stellen sich damit gegen die eigenen Koalitionspartner.
ÖVP favorisiert Pig – NEOS nennen das „Einschüchterung“
Der Kern des Konflikts: Wie horizont.at und oe24.at berichten, kritisieren die NEOS, dass die ÖVP noch während der laufenden Ausschreibung öffentlich einen bestimmten Kandidaten favorisiert – gemeint ist APA-CEO Clemens Pig. NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter bezeichnet das laut horizont.at als „klare Einschüchterung all jener, die sich noch nicht beworben haben.“ Von den NEOS werde es zu keinem Zeitpunkt Unterstützungserklärungen für einzelne Kandidaten geben – die Stiftungsräte sollen ihre Wahl allein treffen.
Auf der anderen Seite steht laut neos.eu die rote Einflussnahme:
„Posten werden nach Parteibuch vergeben, nicht nach Kompetenz. Der ORF-Stiftungsrat tut nichts dagegen. Er sollte unabhängig sein, aber in der Praxis entsenden die Parteien seit einem Vierteljahrhundert ihre Freunde in dieses Gremium.“
Hearing am 2. Juni – NEOS laden vor
Als Gegenentwurf zur stillen Hinterzimmerpolitik laden die NEOS laut horizont.at alle Kandidaten für den 2. Juni zu einem öffentlichen Hearing ins Wiener Funkhaus. Transparenz statt Packelei – das ist das erklärte Ziel. Das von der Regierung gesetzlich verankerte Bestellungsverfahren sei laut neos.eu zwar „ein erster Schritt“ in Richtung Entpolitisierung, reiche aber bei weitem nicht aus.
Wahl am 11. August – und danach kommt die Reform
Der neue Generaldirektor oder die neue Generaldirektorin wird laut diemedien.at am 11. August 2026 vom Stiftungsrat bestellt und tritt am 1. Jänner 2027 an – die Amtszeit läuft bis Ende 2031. Parallel dazu soll laut neos.eu ab Herbst 2026 ein umfassender ORF-Reformprozess starten. Die NEOS fordern dabei unter anderem eine Verkleinerung des Stiftungsrats von 35 auf 12 Mitglieder sowie klare Unvereinbarkeitsregeln für politisch nahestehende Personen.
Das Grundproblem bleibt
Der Streit um den nächsten ORF-Generalinszeniert ein strukturelles Problem, das seit Jahrzehnten bekannt ist und nie gelöst wurde. Wie news.at in seiner Analyse festhält, haben die von der Bundesregierung entsandten Stiftungsräte gemeinsam mit den direkten Parteienvertretern bereits ein Signal gesetzt – als Kampfansage an die roten und schwarzen Freundeskreise unter Stiftungsratsvorsitzendem Heinz Lederer (SPÖ-nah) und Gregor Schütze (ÖVP-nah). Der ORF bleibt das, was er immer war: politisches Terrain.
Credits: APA
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