Der Spardruck auf den öffentlich-rechtlichen ORF wird konkreter: Der Spartensender ORF 3 soll ab 2027 sieben von rund 15 Millionen Euro seines Programmbudgets einsparen. Im Hintergrund erzwingt die Bundesregierung eine Kürzung von 93 Millionen Euro pro Jahr.
Hälfte des Programmbudgets weg
Der ORF-Spartensender ORF 3 soll laut derStandard und Kurier ab dem kommenden Jahr sieben von rund 15 Millionen Euro seines Programmbudgets einsparen – das entspricht einem finanziellen Aderlass von fast 50 Prozent, wie oe24 berichtet. Das Gesamtbudget von ORF 3 liegt bei rund 30 Millionen Euro. ORF-Chefin Ingrid Thurnher informierte die Belegschaft am Montag über das Ausmaß der geplanten Kürzungen. Auf Medienanfragen bestätigte der ORF, dass „Doppel- oder Mehrgleisigkeiten evaluiert und gegebenenfalls bereinigt“ würden, ohne die genaue Höhe der Einsparungen zu nennen. Insider sprechen laut oe24 von „brutalen“ Kürzungen. Auswirkungen auf die Programmproduktion seien laut ORF selbst „unumgänglich“.
Personalveränderungen: Lorenz-Dittlbacher übernimmt Kultur
Die Sparmaßnahmen haben auch strukturelle Konsequenzen: Wie derStandard berichtet, soll ORF-3-Chefredakteurin Lou Lorenz-Dittlbacher künftig neben der Infoschiene auch den Kulturbereich des Senders leiten. ORF-3-Kulturprogrammchef Peter Fässlacher soll nicht verlängert werden. Ob die mehrstündige Infoschiene „Aktuell“, Eigenproduktionen wie Dokus oder Kulturveranstaltungen besonders hart betroffen sein werden, ist noch nicht bekannt.
Im Raum steht auch eine engere Integration des bisher als Tochterfirma geführten ORF 3 in den Mutterkonzern. Hintergrund ist laut oe24 ein Missverhältnis: Den rund 70 Mitarbeitern des Senders mit einem günstigeren Kollektivvertrag als im Haupthaus stehen zwei ORF-3-Geschäftsführer gegenüber, die zu den Spitzenverdienern im ORF zählen.
Millionenshow vor dem Aus
Auch im Haupthaus ist der Rotstift im Anmarsch. Wie nachrichten.at und der Kurier berichten, zählt die „Millionenshow“ mit Moderator Armin Assinger zu den Formaten, deren Zukunft nun diskutiert wird. Die Jahreskosten der Sendung belaufen sich laut nachrichten.at auf rund fünf Millionen Euro. Fix beendet werden sollen die Vorabend-Quizformate „Q1“ mit Oliver Polzer sowie „Smart10“ mit Caroline Athanasiadis. Eine endgültige Entscheidung über die Millionenshow werde laut dem Bericht möglichst lange hinausgezögert, da zunächst ein programmliches Ersatzformat gefunden werden müsse.
Die Wurzel des Problems: 93 Millionen Euro weniger ab 2027
Die Einsparungen bei ORF 3 sind nur ein Teil eines viel größeren Problems. Wie heute.at und horizont.at berichten, streicht die Bundesregierung ab 2027 die Abgeltung des Bundes für den Entfall der Umsatzsteuer und den damit einhergehenden Vorsteuerabzug, der mit dem Umstieg auf den ORF-Beitrag weggefallen war. Das ergibt laut Budgetstrategie ein Minus von 93 Millionen Euro pro Jahr für den ORF. Dazu kommt, dass der ORF-Beitrag von 15,30 Euro pro Haushalt bis 2029 eingefroren bleibt. ORF-Chefin Thurnher hatte zuletzt gewarnt, diese Kürzungen „rütteln an den Grundfesten“ des Senders: „Das Publikum wird es spüren.“ Als Ausgleich erhöhte die Regierung die Obergrenze des sogenannten Sperrkontos von 710 auf 780 Millionen Euro.
Sowohl Thurnher als auch der bereits gewählte neue ORF-Generaldirektor Clemens Pig, der sein Amt am 1. Jänner antritt, haben angekündigt, eine Klage zu prüfen. Juristen hätten laut heute.at eingeschätzt, dass die Maßnahmen verfassungswidrig sein könnten, da der öffentlich-rechtliche Auftrag per Gesetz nachhaltig finanziert werden müsse.
Credits: Wikipedia
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