Österreichs Schulen stöhnen unter der zweiten Hitzewelle vor den Sommerferien. Eine Studie zeigt erschreckende Zahlen – und die Regierung hat einen Grünen-Antrag auf Hitzeschutzmaßnahmen vertagt.
Was die Forschung sagt
Das Citizen-Science-Projekt „Climate Ready Schools“, geleitet vom Austrian Institute of Technology (AIT) und der Technischen Universität Wien, hat erstmals systematisch erhoben, wie groß das Hitzeproblem in Österreichs Klassenzimmern tatsächlich ist, wie science.orf.at und SN.at berichten. An einer Befragung von mehr als 1.500 Schülern und Lehrkräften an fünf Schulen nehmen teil: Das Ergebnis ist eindeutig – je nach Quelle gaben 88 oder 89 Prozent der Befragten an, die Hitze im Schulgebäude als schwere Belastung zu empfinden. Drei Viertel der Befragten klagen über Konzentrationsprobleme sowie Müdigkeit und Erschöpfung, mehr als die Hälfte über Kopfschmerzen. 66 Prozent gaben an, bei hohen Temperaturen dem Unterricht kaum noch folgen zu können, wie wien.ORF.at unter Berufung auf Studienforscher Martin Schneider berichtet. Optimal wäre laut der Studie eine Raumtemperatur von 22 bis 23 Grad – in vielen Klassenzimmern werden im Frühsommer bereits 27 Grad und mehr gemessen, im Extremfall wie in einer niederösterreichischen Schule Ende Mai sogar über 30 Grad. Die Zahl der Hitzetage in Wien hat sich seit den 1960er-Jahren von durchschnittlich zehn auf rund 30 pro Jahr verdreifacht, wie AIT-Daten zeigen.
Grüne: Antrag vertagt, Maulkörbe verteilt
Angesichts dieser Zahlen fordern die Grünen sofortige politische Konsequenzen – und ärgern sich über Untätigkeit. Einen Entschließungsantrag auf wirksamen Hitzeschutz an österreichischen Schulen hat die Regierungsmehrheit im letzten Bildungsausschuss vertagt, wie oe24 und die OTS-Aussendung der Grünen berichten. „Wenn das Thermometer im Klassenzimmer 30 Grad knackt, ist Lernen schlicht nicht mehr möglich. Hitze ist kein Komfortproblem, sie ist ein Gesundheitsrisiko und eine Bildungsfrage“, kritisiert Sigi Maurer, Vize-Klubobfrau und Bildungssprecherin der Grünen, laut oe24. „Dass die Regierung unseren Antrag auf die lange Schulbank schiebt, während draußen die Temperaturen Rekorde brechen, ist nicht zu akzeptieren.“
Zusätzlich erhebt Maurer laut oe24 den Vorwurf, dass Lehrern in Wien verboten worden sei, öffentlich über die Hitze zu sprechen. Diese Behauptung stammt aus der Grünen-Aussendung und konnte durch unabhängige Quellen bislang nicht bestätigt werden. „Statt Maulkörbe zu verteilen und die Eltern mit noch mehr Betreuungspflichten zu belasten, sollte endlich konkret etwas unternommen werden“, so Maurer.
Was die Grünen konkret fordern
Das Grünen-Paket umfasst laut oe24 und der OTS-Aussendung fünf Maßnahmen: erstens einen wissenschaftlichen „Hitze-Index“ für alle Schulstandorte als Steuerungsinstrument; zweitens verbindliche klimafitte Bauvorgaben bei Neubau und Sanierung; drittens einen unbürokratischen „Beschattungstopf“ für rasch wirksame Sofortmaßnahmen wie Außenrollos und Markisen; viertens ein Förderprogramm „Grüne Schuloasen“ für Begrünung und Entsiegelung von Schulhöfen; fünftens einen Praxisleitfaden mit sofort umsetzbaren Tipps für den Schulalltag.
Credits: BKA Regina Aigner
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