Österreichs Pfandsystem: 400 Millionen Flaschen nicht zurückgebracht — 100 Millionen Euro weg

Österreichs Pfandsystem: 400 Millionen Flaschen nicht zurückgebracht — 100 Millionen Euro weg

Seit Anfang 2025 gilt in Österreich das Pfandsystem für Plastikflaschen und Dosen. Jetzt zeigt eine parlamentarische Anfrage: Fast jede fünfte Flasche kommt nie zurück — und 100 Millionen Euro bleiben liegen.

Der „Pfandschlupf“ und seine Dimension

Wie heute.at unter Berufung auf die Beantwortung einer FPÖ-Anfrage an Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) berichtet, wurden im Jahr 2025 rund 400 Millionen Pfandgebinde nicht retourniert. Das entspricht einem nicht ausbezahlten Pfandvolumen von rund 100 Millionen Euro. Der Begriff dafür lautet im Amtsdeutsch „Pfandschlupf“ — die Differenz zwischen verkauften und tatsächlich zurückgebrachten Flaschen und Dosen.

Berücksichtigt wurde dabei laut Umweltministerium, dass zwischen dem Kauf und der Rückgabe im Schnitt 51 Tage vergehen. Warum die Gebinde letztlich nicht zurückgebracht werden, lasse sich aus den verfügbaren Daten nicht eruieren.

Barrierefreiheit als Kritikpunkt

FPÖ-Nationalrat Thomas Spalt sieht einen Teil des Problems in der Bauweise der Rückgabeautomaten. Wie heute.at berichtet, wirft er der Betreibergesellschaft EWP Recycling Pfand Österreich vor, dass die Automaten für Menschen mit körperlichen Einschränkungen aufgrund ihrer Bauhöhe physisch nicht zugänglich seien — und damit gegen das Behindertengleichstellungsgesetz verstoßen würden.

Minister Totschnig wiegelt in seiner Anfragebeantwortung ab: Bis dato habe es nur zwei Beschwerden in Bezug auf Barrierefreiheit gegeben. Die Einwurfhöhe ergebe sich aus den marktüblichen Standards der verfügbaren Geräte, die technisch weitgehend identisch seien. Zudem müsse die Rückgabe nicht zwingend am Automaten erfolgen — das Kassenpersonal sei entsprechend geschult und könne helfen.

EWP selbst habe den Rückgabeprozess mittlerweile vereinfacht: Er sei ohne Touchscreen möglich, der Pfandbon werde automatisch gedruckt, und Flaschen müssen beim Einwurf nicht mehr manuell ausgerichtet werden.

Wohin fließt das Geld?

Die 100 Millionen Euro landen nicht in der Staatskasse — sie verbleiben laut heute.at bei EWP Recycling Pfand Österreich. Die gemeinnützige, nicht gewinnorientierte Gesellschaft verwendet das Geld zur Finanzierung des Pfandsystems selbst.

Auf der anderen Seite der Bilanz steht ein Umwelterfolg: Wie heute.at in einer früheren Erhebung berichtete, ist seit der Einführung des Pfandsystems die Menge an Plastik im Hausmüll um rund 30 Prozent zurückgegangen.

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