Österreich im demografischen Umbruch: Kinderlosigkeit und Pensionskrise fordern Reformen

Österreich im demografischen Umbruch: Kinderlosigkeit und Pensionskrise fordern Reformen

Österreich steht vor einer tiefgreifenden demografischen Veränderung, die weitreichende Folgen für Gesellschaft, Wirtschaft und Sozialsysteme mit sich bringt. Wie die ÖVP-Abgeordnete Gudrun Kugler im Interview mit exxpressTV betont, sind die Herausforderungen bereits spürbar – und erfordern dringende politische Maßnahmen.

Kinderlosigkeit auf dem Vormarsch: 40 Prozent ohne Nachwuchs

Die Kinderlosigkeit in Österreich hat ein historisches Hoch erreicht. Rund 40 Prozent der Bevölkerung bleiben ohne Nachwuchs – ein Anstieg, der sich seit den 1970er-Jahren versiebenfacht hat. Studien zeigen, dass Paare im Schnitt mehr Kinder wollen, als sie tatsächlich bekommen. Doch viele verschieben den Kinderwunsch, oft mit langfristigen Konsequenzen. „Wer mit 30 sagt ‚Kinder ja, aber später‘, hat nur noch eine 50-prozentige Chance, überhaupt Kinder zu bekommen“, erklärt Kugler (exxpressTV).

Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und ländliche Regionen

Der Rückgang der Geburtenzahlen zeigt sich bereits deutlich. Die Zahl der 17-jährigen Männer – potenzielle Rekruten – ist seit 1982 um 40 Prozent gesunken. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf das Bundesheer, sondern auch auf den ländlichen Raum. Ein Drittel der österreichischen Gemeinden gilt heute als Schrumpfungsgebiet. In den kommenden Jahren drohen Leerstände und der Verfall der Infrastruktur, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden (exxpress.at).

Pensionssystem unter Druck: Reformbedarf wächst

Das österreichische Pensionssystem, das auf dem Umlageverfahren basiert, steht vor großen Herausforderungen. Während 1910 noch zehn Erwerbstätige einen Pensionisten finanzierten, liegt das Verhältnis heute bei fünf zu eins. Die laufenden Beiträge reichen nicht mehr aus, um die Pensionen zu decken. Bereits ein Viertel des Staatshaushalts fließt in Pensionszuschüsse, und die Kosten steigen schneller als das Bruttoinlandsprodukt und die Inflation (exxpress.at).

Migration als begrenzte Lösung

Migration wird oft als kurzfristige Lösung für den demografischen Wandel gesehen, doch auch hier gibt es Grenzen. Osteuropa schrumpft ebenfalls, und die Abwerbung von Fachkräften führt zu einem „Brain Drain“, der die Herkunftsländer destabilisiert. „Es braucht kontrollierte Zuwanderung mit klaren Kriterien, aber keine Illusionen“, betont Kugler (exxpressTV).

Politischer Handlungsbedarf: Demografie als Zukunftsfrage

Gudrun Kugler fordert ein stärkeres politisches Engagement, um den demografischen Wandel aktiv zu gestalten. Sie plädiert für die Einrichtung eines Demografie-Ministeriums oder eines Staatssekretariats, um die Herausforderungen langfristig zu bewältigen. „Demografie ist eine exakte Wissenschaft“, so Kugler. „Wir können heute schon berechnen, wie Regionen in 20 oder 30 Jahren aussehen werden“ (exxpress.at).

Credits: APA

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