Die geplante Kürzung des Lateinunterrichts in Österreichs Schulen sorgt für einen Aufschrei – und das nicht nur bei Lehrern. Nobelpreisträger wie Anton Zeilinger, Peter Handke und Elfriede Jelinek sowie 85 weitere prominente Unterstützer schlagen Alarm: „Wer Latein streicht, streicht Denkfähigkeit!“
Ein Angriff auf die Bildung?
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) plant, den Lateinunterricht in der AHS-Oberstufe von zwölf auf acht Stunden zu reduzieren. Der freigewordene Platz soll für Informatik und Künstliche Intelligenz genutzt werden. Doch die Kritiker sehen darin einen „grundsätzlichen Angriff auf die geistige Substanz unseres Bildungssystems“, wie es in einer Petition heißt, die bereits tausende Unterschriften gesammelt hat.
„Latein ist die Grundschule des Denkens Europas“, betonen die Unterstützer. Ohne Latein seien Logik, Recht und Wissenschaft nicht denkbar. Elfriede Jelinek warnt: „Wenn man in der Schule das alles einfach einstellt, dann fallen wir auf einen sehr harten Boden, der uns das Kreuz brechen könnte.“
Prominente Stimmen für Latein
Neben den Nobelpreisträgern haben sich auch Alt-Bundespräsident Heinz Fischer, Schauspieler wie Erwin Steinhauer und Chris Lohner sowie zahlreiche Wissenschaftler und Künstler der Petition angeschlossen. Ihr Appell: „Latein ist keine tote Sprache, sondern die Basis unserer Demokratie.“
Die Petition fordert, den Lateinunterricht uneingeschränkt fortzuführen und die geplanten Kürzungen zurückzunehmen. „Wer glaubt, man könne das lateinische Denken in acht Stunden vermitteln, betreibt entweder Ignoranz oder bewusste Täuschung“, heißt es weiter.
Ministerium verteidigt Reform
Das Bildungsministerium versucht, die Wogen zu glätten. Generalsekretär Martin Netzer betont, dass autonome Schulen weiterhin die Möglichkeit hätten, Lateinstunden aufzustocken. Doch die Kritiker bleiben skeptisch. Sie sehen in der Reform eine „Aushöhlung unter dem Deckmantel der Modernisierung“.
Latein und KI: Kein Widerspruch
Die Unterstützer der Petition argumentieren, dass Latein und Künstliche Intelligenz keine Gegensätze seien. „Ohne historisch und logisch geschultes Denken wird KI zur Black Box für Unmündige“, heißt es. Die geplante Kürzung sei daher nicht nur ein Rückschritt, sondern gefährde auch die Zukunftsfähigkeit der Schüler.
Die Debatte um Latein zeigt: Es geht um mehr als nur ein Schulfach. Es geht um die Frage, welche Werte und Fähigkeiten in einer modernen Gesellschaft vermittelt werden sollen.
Quellen: oe24.at, orf.at, krone.at
Credits: APA
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