Niedrigere Gasspeicher, aber Minister gibt Entwarnung

Niedrigere Gasspeicher, aber Minister gibt Entwarnung

Trotz historisch niedriger Füllstände bei den europäischen Gasspeichern zeigt sich Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) zuversichtlich: Österreich sei für den bevorstehenden Winter gut gerüstet, auch wenn man die Lage genau beobachte.

„Speicher gut gefüllt, Versorgung gesichert“

„Unsere Öl- und Gasspeicher sind im internationalen Vergleich gut gefüllt, und die Versorgung ist aktuell gesichert“, erklärte Hattmannsdorfer am Montag. Hintergrund seiner Aussage ist eine zuletzt spürbare Verschärfung der Lage: Der europäische Gaspreis kletterte auf über 80 Euro pro Megawattstunde – der höchste Stand seit Beginn des Iran-Kriegs. In einer Aussendung nach einem Treffen mit dem saudischen Energie-, Industrie- und Rohstoffminister Prinz Abdulaziz bin Salman am Rande einer internationalen Konferenz ließ der Minister verlauten: „Aufgrund der jüngsten Lageverschärfung haben wir die Beratungen in dieser Woche nochmals intensiviert. Wir haben vorgesorgt und sind darauf vorbereitet, bei Bedarf rasch zu handeln.“

Warum weniger Gas eingespeichert wurde

Die europäischen Gasspeicher sind heuer tatsächlich deutlich schwächer gefüllt als in den Vorjahren. Ursache dafür ist der Iran-Krieg, der Gas verteuerte und die Einspeicherung zu den hohen Preisen wirtschaftlich unattraktiv machte. Zusätzlich rechneten viele Gashändler mit sinkenden Preisen in naher Zukunft und warteten deshalb mit dem Einkauf ab. In Deutschland liegen die Füllstände inzwischen auf historischen Tiefstständen, auch Österreichs Speicher sind aktuell erst zu 67 Prozent gefüllt – Anfang September 2025 waren es zum Vergleich noch mehr als 80 Prozent.

Österreich profitiert von EU-Ausnahmeregel

Eigentlich sieht die EU vor, dass die Gasspeicher der Mitgliedstaaten vor Winterbeginn zu 90 Prozent gefüllt sein sollen. Bei hohen Preisen dürfen Staaten dieses Ziel jedoch auf 80 Prozent reduzieren. Für Länder wie Österreich, die im Verhältnis zu ihrem tatsächlichen Verbrauch über besonders große Speicherkapazitäten verfügen, sieht die EU-Verordnung zusätzlich eine eigene Ausnahme vor: Für sie gilt lediglich ein Füllstandsziel von 35 Prozent des durchschnittlichen Jahresverbrauchs der vergangenen fünf Jahre. Gemessen an dieser Zielgröße steht Österreich deutlich besser da, als es der reine Füllstand von 67 Prozent zunächst vermuten lässt: Laut aktuellen E-Control-Daten sind bereits rund 87 Prozent des durchschnittlichen Jahresverbrauchs eingespeichert.

Ob die angespannte Preislage am europäischen Gasmarkt im Winterverlauf weiter zunimmt, dürfte auch maßgeblich von der weiteren Entwicklung des Iran-Kriegs abhängen.

Credits: BKA, Andy Wenzel

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