Im Spionage-Prozess gegen den ehemaligen BVT-Chefinspektor Egisto Ott am Wiener Landesgericht wurden neue, brisante Details bekannt. Die Staatsanwaltschaft präsentierte am Mittwoch neues Beweismaterial aus Großbritannien, das den Angeklagten schwer belasten soll. Die neuen Unterlagen zeichnen das Bild eines weitreichenden Spionage-Netzwerks, das bis nach Moskau reicht.
Fotos und Geld im McDonalds-Sackerl
Das neue Konvolut stammt von britischen Behörden, die gegen eine mutmaßliche russische Spionage-Zelle in London ermitteln. Diese Gruppe von sechs bulgarischen Staatsbürgern soll, so der Vorwurf, vom flüchtigen Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek für den russischen Inlandsgeheimdienst FSB gesteuert worden sein. Wie der ORF berichtet, wurden die Ermittlungsergebnisse der österreichischen Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) übermittelt und landeten so bei der Staatsanwaltschaft Wien.
Die brisantesten Details: Über Ott sollen Diensthandys von drei hochrangigen Beamten des Innenministeriums sowie ein spezieller SINA-Laptop mit geheimen Daten bei Marsalek und schließlich beim FSB gelandet sein. Laut Anklage wurde die Übergabe in der Wohnung von Otts Tochter abgewickelt. Dafür soll Ott Zahlungen von 50.000 und 20.000 Euro erhalten haben – das Geld wurde ebenfalls in die Wohnung seiner Tochter gebracht, einmal sogar in einem McDonalds-Sackerl.
Um diese Übergabe zu belegen, legte der Staatsanwalt ein Foto von Otts Tochter vor, das bei einem der festgenommenen Bulgaren gefunden wurde. Auf die Frage, ob er die Frau auf dem Foto kenne, verweigerte Ott die Aussage. Für den Ankläger ist der Fall klar: Das Foto diente dazu, dass der Abholer wusste, an wen er sich wenden musste. Laut Staatsanwalt habe Ott alles „instruiert und organisiert“.
Gekränkte Eitelkeit als Motiv?
Am dritten Verhandlungstag waren auch ehemalige Führungskräfte des BVT als Zeugen geladen, darunter der langjährige Direktor Peter Gridling. Wie die Tagesschau berichtet, soll Ott aus Frustration und gekränkter Eitelkeit gehandelt haben. Er fühlte sich bei Beförderungen übergangen und entwickelte laut Anklage eine „persönliche Aversion“ gegen Gridling. Die Staatsanwaltschaft sieht darin, neben den finanziellen Anreizen, ein zentrales Motiv für seine mutmaßliche Spionagetätigkeit für Russland. Ott selbst bestreitet alle Vorwürfe und behauptet, er habe im Rahmen einer geheimen „Operation Doktor“ im Auftrag seiner Vorgesetzten gehandelt – eine Darstellung, die die Anklage als reine Schutzbehauptung abtut.
Der Prozess geht weiter, und mit jedem neuen Detail verdichtet sich das Bild einer der größten Spionage-Affären der jüngeren österreichischen Geschichte. Für Egisto Ott gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Quellen: oe24.at, orf.at, tagesschau.de
Credits: APA
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