Nach zwei Jahren intensiver Kämpfe im Gazastreifen hat die israelische Regierung unter Premierminister Benjamin Netanjahu einem Abkommen mit der Hamas zugestimmt. Dieses soll eine sofortige Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln ermöglichen.
Die zentralen Punkte des Abkommens
Wie der israelische Fernsehsender Kan berichtet, sieht das Abkommen vor, dass die israelische Armee ihre Militäroperationen im Gazastreifen unverzüglich einstellt und sich innerhalb von 24 Stunden auf eine vereinbarte Linie zurückzieht. Im Gegenzug verpflichtet sich die Hamas, alle 48 Geiseln freizulassen, die seit dem Angriff der Organisation auf Israel im Oktober 2023 in ihrer Gewalt sind. Zudem sollen fast 2.000 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen entlassen werden.
Die Rückkehr der Geiseln soll laut Vereinbarung ohne öffentliche Zeremonien und unter der Organisation des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz erfolgen. Zusätzlich soll die Hamas Informationen über die sterblichen Überreste von Geiseln bereitstellen, deren Verbleib bislang unklar ist.
Kontroverse innerhalb der israelischen Regierung
Die Entscheidung für das Abkommen wurde nicht einstimmig getroffen. Mehrere rechtsextreme Minister, darunter Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir und Finanzminister Bezalel Smotrich, stimmten dagegen. Sie äußerten Bedenken, dass die Vereinbarung der Hamas zu viele Zugeständnisse mache und die Sicherheit Israels gefährden könnte.
Premierminister Netanjahu verteidigte das Abkommen jedoch als wichtigen Schritt zur Erreichung eines zentralen Kriegsziels: der Rückkehr aller Geiseln. „Wir haben in diesen zwei Jahren gekämpft, um unsere Ziele zu erreichen. Und wir sind dabei, dieses Ziel zu verwirklichen“, erklärte er.
Internationale Unterstützung und Überwachung
Die USA haben angekündigt, mit 200 Soldaten die Einhaltung der Waffenruhe zu unterstützen. Diese sollen jedoch nicht direkt im Gazastreifen stationiert werden, sondern gemeinsam mit Ägypten, Katar und der Türkei ein Kontrollzentrum einrichten. Ziel ist es, das fragile Vertrauen zwischen den Konfliktparteien zu stärken und die Umsetzung des Abkommens zu überwachen.
Entwaffnung der Hamas bleibt strittig
Ein zentraler Punkt des Abkommens ist die Entmilitarisierung des Gazastreifens. Laut dem ägyptischen Staatsinformationsdienst SIS hat die Hamas vorgeschlagen, ihre Waffen für fünf bis zehn Jahre „einzufrieren“, lehnt jedoch eine vollständige Entwaffnung ab. Israels Außenminister Gideon Saar betonte, dass eine dauerhafte Lösung nur mit der Entwaffnung der Hamas möglich sei.
Hoffnung und Herausforderungen
Die Einigung wurde sowohl in Israel als auch im Gazastreifen mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Während viele Menschen auf ein Ende der Gewalt und die Rückkehr der Geiseln hoffen, gibt es auch Zweifel an der Stabilität des Abkommens. Das israelische Militär warnte, dass einige Gebiete im Gazastreifen weiterhin gefährliche Kampfzonen seien. Zudem gab es Berichte über weitere Angriffe, obwohl die Waffenruhe bereits verkündet wurde.
Quellen: ORF.at, Kan, i24, Weißes Haus, Ägyptischer Staatsinformationsdienst
Credits: APA
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