Wochenlange öffentliche Beteuerungen, keine Empfehlungen zu geben. Dann: alle drei NEOS-Stiftungsräte stimmen für denselben Kandidaten. Was das über die Partei sagt, die Postenschacher am lautesten kritisiert.
Die Beteuerungen — und was wirklich passierte
NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter hat in den Wochen vor der ORF-Wahl öffentlich und wiederholt erklärt, die Pinken würden keinen bestimmten Kandidaten unterstützen und den ihnen zugerechneten Stiftungsräten „sicher keine Empfehlungen geben“. Wer anderes behauptete, wurde von Brandstötter laut exxpress.at als „Krawall-Schreiberling“ bezeichnet, der „frei erfundene Geschichten“ verbreite.
Das Abstimmungsverhalten in der Nacht auf Freitag zeigt: Die Geschichten waren nicht frei erfunden. Wie der Medien- und Politikjournalist Lucas Ammann auf lucasammann.com auf Basis der Wahlnacht-Ergebnisse berichtet, stimmten alle drei den NEOS zugerechneten Stiftungsräte geschlossen für den früheren Puls4-Chef Markus Breitenecker.
Eine persönliche Verbindung, die Fragen aufwirft
Das Bild wird komplizierter durch eine biografische Parallele. Brandstötter arbeitete laut exxpress.at vor rund 20 Jahren selbst bei Puls-TV — dem Vorgänger von Puls4 — zur selben Zeit wie Breitenecker, angeblich sogar im selben Stockwerk. Einer der drei NEOS-Stiftungsräte, Markus Boesch, arbeitete laut diemedien.at zudem lange direkt für und mit Breitenecker, als dieser noch ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer war.
Die Verbindung selbst ist kein Vorwurf — es wäre denkbar, dass Breitenecker tatsächlich der fachlich überzeugendste Kandidat für alle drei Stiftungsräte war. Was die Situation problematisch macht, ist nicht das Abstimmungsverhalten an sich, sondern die öffentliche Kommunikation davor. Wochenlang zu behaupten, keine Präferenzen zu haben, und dann geschlossen zu votieren, ist ein Widerspruch, der erklärungsbedürftig ist.
Profil und oe24 hatten es längst berichtet
Es ist nicht so, als wäre die interne NEOS-Präferenz für Breitenecker ein Geheimnis gewesen. Bereits am 26. Mai hatte oe24.at von einem „Neos-Geheimplan“ für Breitenecker berichtet. Das Nachrichtenmagazin profil ordnete ein, die NEOS hätten sich intern eher für Breitenecker ausgesprochen und zusätzlich Puls4-Infodirektorin Corinna Milborn als mögliche ORF-Chefredakteurin ins Spiel gebracht — obwohl sich die Partei sonst stets gegen Postenschieberei positioniere.
Das Gesamtbild der Abstimmung
Zur Einordnung: Alle SPÖ-nahen Stiftungsräte stimmten laut Ammann geschlossen für Clemens Pig, der mit 21 Stimmen zum Generaldirektor gewählt wurde. Die meisten ÖVP-Stiftungsräte stimmten ebenfalls für Pig — vier für Larcher, einer für Breitenecker. Pig, Breitenecker, Larcher und Totzauer erhielten je nach Lager ihre Stimmen.
EINORDNUNG
Das Muster ist dasselbe, das NEOS bei anderen Parteien stets scharf kritisieren: öffentlich Unabhängigkeit betonen, intern koordinieren. Dass Breitenecker fachlich qualifiziert ist und über große Erfahrung im Medienbusiness verfügt, steht außer Frage. Der Schaden liegt nicht im Abstimmungsverhalten selbst — sondern in der Kommunikation davor. Eine Partei, die „Transparenz“ und „Entpolitisierung“ zu ihren Kernbotschaften macht, sollte diese Maßstäbe auch bei sich selbst anlegen.
Credits: BKA, Andy Wenzel
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