Der tiefe Fall eines einstigen Star-Politikers erreicht seinen nächsten Höhepunkt. Für den ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser geht es am Bezirksgericht Kitzbühel um alles oder nichts. Einst im Rampenlicht der Republik, kämpft er heute um sein finanzielles Überleben. Die Zahlen, die nun auf dem Tisch liegen, zeichnen ein dramatisches Bild seiner Lage.
Ein Schuldenberg in Millionenhöhe
Die Forderungen gegen Grasser sind gigantisch. Wie der Gläubigerschutzverband KSV1870 berichtet, haben acht Gläubiger insgesamt mehr als 35,6 Millionen Euro im Privatkonkurs angemeldet. Davon stuft der erfahrene Insolvenzverwalter Herbert Matzunski nach genauer Prüfung rund 23,1 Millionen Euro als berechtigt ein.
Ein persönliches Erscheinen vor Gericht erspart sich der Ex-Politiker. Wie die Salzburger Nachrichten berichten, wird Grasser bei der entscheidenden Prüfungstagsatzung nicht anwesend sein. Sein Anwalt Thomas Payer betonte, dass Grasser zu diesem formalen Akt schlichtweg „nichts beitragen“ könne. Grasser verbüßt derzeit seine Strafe im elektronisch überwachten Hausarrest und trägt eine Fußfessel. Sein aktuelles Leben ist weit entfernt vom früheren Luxus: Er arbeitet laut oe24.at heute als Angestellter in einer Kitzbüheler Innenausstattungsfirma für ein bescheidenes Bruttomonatsgehalt von knapp 2.200 Euro.
Die Republik sitzt am längeren Hebel
Wer glaubt, Grasser könne sich einfach so aus der Affäre ziehen, irrt gewaltig. Die Republik Österreich ist der Hauptgläubiger und hat das Schicksal des Ex-Ministers in der Hand. Allein 12,9 Millionen Euro fordert der Staat als Schadenersatz aus dem berüchtigten BUWOG-Skandal. Dazu kommen massive Abgabenforderungen der Finanz in Höhe von 10,1 Millionen Euro. Der KSV1870 stellt klar: Ohne die Zustimmung der Republik ist eine schnelle Entschuldung für Grasser praktisch unmöglich.
Luxusuhr verkauft und Konten in Liechtenstein
Das bisher gefundene Vermögen wirkt angesichts der gigantischen Schulden fast schon traurig. Der Insolvenzverwalter konnte bislang nur rund 200.000 Euro für die Gläubiger sichern. Wie die Oberösterreichischen Nachrichten berichten, stammten allein 25.000 Euro davon aus dem Verkauf einer Luxusuhr. Weitere Gelder kamen durch die Auflösung einer Lebensversicherung und freigegebene Bankguthaben zusammen.
Die letzte große Hoffnung der Gläubiger liegt nun im Ausland. Der Insolvenzverwalter versucht derzeit, an Konten in Liechtenstein heranzukommen. Doch dort blockiert ein laufendes Geldwäscherei-Strafverfahren die Auszahlung, ein gerichtliches Verfügungsverbot ist aufrecht. Es geht um mehrere hunderttausend Euro, die dringend benötigt werden.
Um den Ruin abzuwenden, hat Grasser einen Zahlungsplan vorgelegt. Er bietet seinen Gläubigern eine Quote von drei Prozent an – das entspricht rund 700.000 Euro, die von dritten Personen finanziert werden sollen. Doch da Schulden aus Straftaten nicht einfach erlassen werden können, könnte die Republik ihn im schlimmsten Fall noch über Jahrzehnte hinweg zur Kasse bitten.
Quelle: oe24.at, KSV1870, Salzburger Nachrichten, Oberösterreichische Nachrichten
Credits: APA
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