Merkel bricht mit der „Brandmauer“ – und irritiert die eigene Partei

Merkel bricht mit der „Brandmauer“ – und irritiert die eigene Partei

Ein Satz genügte, um für Aufsehen zu sorgen: Altkanzlerin Angela Merkel hat sich bei einem öffentlichen Auftritt in Köln überraschend deutlich vom Begriff der „Brandmauer“ distanziert – jenem Konzept, mit dem die CDU seit Jahren ihre Abgrenzung zur AfD begründet.

„Mir blutet das Herz“

Anlass für Merkels Wortmeldung war das historische Wahlergebnis der AfD in Sachsen-Anhalt vom Wochenende, bei dem die Partei auf 43,8 Prozent kam und die CDU eine schwere Niederlage einstecken musste. Bei ihrem Auftritt auf der Digitalmesse „Digital X“ der Deutschen Telekom in Köln zeigte sich die 72-Jährige davon sichtlich getroffen: „Ich hab‘ die Umfragen im Vorfeld gesehen. Aber wenn man es dann schwarz auf weiß hat, am Sonntagabend, dann ist das schockierend“, sagte Merkel laut einem Bericht der „Frankfurter Rundschau“. Noch deutlicher wurde sie mit Blick auf ihre eigene Partei: „Mir als CDU-Mitglied blutet das Herz, das muss ich wirklich sagen.“ Das Wahlergebnis sei, da habe niemand in der CDU drumherumgeredet, „ein wirklicher Einschnitt“, den man in der Geschichte der Bundesrepublik erlebe.

Klare Absage an den Begriff „Brandmauer“

Besonders bemerkenswert ist Merkels Positionierung zum parteiinternen Umgang mit der AfD. Mit dem Schlagwort „Brandmauer“ könne sie grundsätzlich wenig anfangen: „Ich habe das nicht erfunden und ich mag das auch nicht so“, stellte sie klar. Ihrer Ansicht nach dürfe sich die CDU nicht in erster Linie über die Abgrenzung zu einer einzelnen Partei definieren. Stattdessen brauche es eine klarere Vermittlung dessen, „was ich für dieses Land will“ – die Wählerinnen und Wähler müssten mit eigenen politischen Vorhaben überzeugt werden, nicht durch reine Abgrenzungsrhetorik.

Warnung vor Angst als politischer Strategie

Als Erklärung für den Erfolg der AfD verwies Merkel unter anderem auf deren Präsenz in sozialen Medien. Die eigene Partei habe es bislang zu sehr bei allgemeinen Parolen belassen, während die AfD dort dominant auftrete – mit der Folge, dass sich andere Kandidaten bereits verschüchtert zurückhielten. Ihre Warnung: Wenn die Angst überwiege, würde niemand mehr richtig zuhören. Konkret forderte sie, von der „Fixierung auf diese eine Partei“ wegzukommen, und appellierte in diesem Sinne auch an die übrigen Parteien, ihre eigene Fixierung auf die AfD zu überdenken.

Reaktionen und politischer Kontext

Merkels Aussagen fallen in eine ohnehin aufgeheizte Debatte über den künftigen Umgang der CDU mit der AfD. Erst wenige Tage zuvor hatte AfD-Chef Tino Chrupalla im Gespräch mit „Apollo News“ nach dem Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt erklärt, die „Brandmauer“ sei aus seiner Sicht „abgewählt“ worden. Merkels Vorstoß dürfte innerhalb der CDU für weitere Diskussionen sorgen – zumal sie sich bereits zuvor öffentlich kritisch zum Kurs ihres Nachfolgers Friedrich Merz im Umgang mit der AfD geäußert hatte, etwa als dieser im Jänner 2025 eine migrationspolitische Abstimmung im Bundestag erstmals auch mit AfD-Stimmen durchbrachte.

Credits: Bundesregierung/Güngör

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