320.000 Menschen auf der Ringstraße, Regen, Jubiläumsstimmung — und mittendrin Österreichs Außenministerin. Beate Meinl-Reisinger marschierte bei der 30. Wiener Regenbogenparade an vorderster Front. Die Reaktionen darauf sind so gespalten wie immer.
Was passierte
Am 13. Juni 2026 nahm Außenministerin und NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger demonstrativ an der Spitze der 30. Wiener Regenbogenparade teil — gemeinsam mit Wiens Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr und weiteren Parteifreunden. Wie nachrichten.at berichtet, zogen rund 320.000 Menschen trotz eines heftigen Wolkenbruchs kurz vor dem Start über die Ringstraße. Organisatorin Katharina Kacerovsky-Strobl sagte laut nachrichten.at: „Unsere Rechte stehen unter Druck, und genau deshalb ist Pride heute politischer als seit vielen Jahren.“
Nicht das erste Mal
Für Meinl-Reisinger ist das Engagement bei der Pride-Bewegung keine Neuheit. Bereits im Vorjahr hatte das Außenministerium anlässlich des Pride-Monats die österreichische Fahne auf seinen Social-Media-Kanälen vorübergehend durch die Regenbogenflagge ersetzt — was laut exxpress.at heftige Debatten in den sozialen Medien auslöste. Kommentare wie „Rot-Weiß-Rot und sonst nix“ oder „Sind wir jetzt eine Regenbogenrepublik?“ sorgten für Reichweite und Widerstand.
FPÖ kritisiert — aber mit anderem Fokus
Von der FPÖ kam laut nachrichten.at Kritik an den Wiener Linien, die die Parade an ihren Haltestellen unterstützten: „Während die Wiener täglich mit Verspätungen, Störungen und im Sommer oft unerträglich heißen Garnituren konfrontiert sind“, so der Vorwurf. Eine direkte Reaktion auf Meinl-Reisingers Teilnahme blieb aus.
EINORDNUNG DER REDAKTION
Meinl-Reisingers Auftritt an der Spitze der Regenbogenparade ist ein klares politisches Signal — und es passt ins Bild, das die NEOS von sich zeichnen wollen: liberal, offen, progressiv. Was dabei eine berechtigte Frage aufwirft: Wie liberal ist die Politik, die die NEOS in der Regierungsbeteiligung tatsächlich mitgestalten? Das Doppelbudget 2027/28, das sie mitbeschlossen haben, kürzt die Förderung der Vienna Pride um fast 50 Prozent — kritisiert von den Veranstaltern selbst, wie wien.orf.at dokumentiert. Die Lohnnebenkosten-Senkung entlastet Unternehmen, belastet aber Niedrigverdiener mit höheren Arbeitslosenversicherungsbeiträgen. Beim Sparpaket wird an Sozialleistungen gespart, nicht an Vermögen. Das ist nicht zwingend illiberal — aber es ist weit entfernt von dem Bild, das eine Außenministerin vermittelt, die strahlend an der Spitze einer Menschenrechtsdemonstration marschiert. Wer Vielfalt als Steckenpferd trägt, sollte sich die Frage gefallen lassen, ob die eigene Regierungspolitik dem Anspruch gerecht wird — nicht nur im Bild, sondern im Budget.
Credits: BKA, Tarek Wilde
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