Ein Rücktritt, der Wellen schlägt: Der renommierte Mathematiker Martin Nowak zieht sich aus der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zurück. Grund sind seine Verbindungen zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Rücktritt vor Abschluss der Untersuchung
Martin Nowak, ein international anerkannter Mathematiker und Biologe, hat seine Mitgliedschaft in der ÖAW niedergelegt. Dies geschah, bevor ein Ethikkomitee der Akademie seine Verbindungen zu Jeffrey Epstein abschließend bewerten konnte. Die ÖAW hatte das Komitee eingesetzt, nachdem neue Informationen aus den Epstein-Akten des US-Justizministeriums bekannt wurden. Diese Dokumente, die Millionen von Seiten umfassen, werfen ein neues Licht auf Nowaks Beziehung zu Epstein.
Harvard und die Millionen von Epstein
Nowak, der seit 2003 an der Harvard-Universität tätig ist, geriet bereits 2020 in die Kritik, als bekannt wurde, dass Epstein sein „Program for Evolutionary Dynamics“ mit 6,5 Millionen Dollar unterstützt hatte. Laut einem Bericht von Harvard Magazine hatte Epstein sogar ein eigenes Büro in Nowaks Institut und besuchte dieses regelmäßig – auch nach seiner Verurteilung wegen sexueller Vergehen im Jahr 2008. Harvard verhängte daraufhin Sanktionen gegen Nowak, die 2023 aufgehoben wurden. Doch die jüngsten Enthüllungen führten zu einer erneuten Beurlaubung des Wissenschaftlers.
Verbindungen und Vorwürfe
Wie Die Presse berichtet, hatte Nowak Epstein nicht nur beruflich, sondern auch privat getroffen. Unter anderem war er Gast auf Epsteins berüchtigter Privatinsel. Nowak beteuert jedoch, nichts von den kriminellen Machenschaften Epsteins gewusst zu haben. In einem Interview erklärte er, dass er Epsteins Interesse an Wissenschaft als echt empfand und dessen Charisma ihn beeindruckte. Dennoch bereut er heute die Zusammenarbeit zutiefst.
Ethikkomitee prüft auch Karl Sigmund
Neben Nowak steht auch sein Doktorvater Karl Sigmund im Fokus der Untersuchungen. Sigmund hatte 2019 ein Treffen mit Epstein in Wien arrangiert, um sich ein „persönliches Bild“ von ihm zu machen. Die ÖAW wird voraussichtlich im April über mögliche Konsequenzen entscheiden. Ein Ausschluss wäre der erste seit 1945.
Ein Rücktritt mit Signalwirkung
Nowaks Rücktritt wirft Fragen über den Umgang von Wissenschaftseinrichtungen mit kontroversen Förderern auf. Wie Der Standard berichtet, betonte die ÖAW, dass es seit der Nachkriegszeit keinen vergleichbaren Fall gegeben habe. Die Entscheidung, ein Ethikkomitee einzusetzen, zeigt, dass die Akademie bemüht ist, Transparenz und Integrität zu wahren.
Quellen: oe24.at, Harvard Magazine, ORF, Die Presse, Der Standard
Credits: Plattform X
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