Marseille: Mafia als Konzern bereits Marke

Marseille: Mafia als Konzern bereits Marke

Als ein Lebensmittelhändler aus Marseille eine Todesdrohung und die Forderung nach 250.000 Euro von der berüchtigten Verbrecherbande erhielt, suchte er voller Angst um Schutz für sich und seine Familie. Die Drohung kam per SMS, angeblich von der DZ Mafia – dem größten kriminellen Syndikat in einer Stadt, die seit Jahrzehnten für Bandenkriege und Drogenhandel berüchtigt ist. Der Nachricht beigefügt waren Fotos seiner Frau, seiner Kinder, seines Hauses und seines Geschäfts.


Schnelles Eingreifen der Polizei

Die Polizei reagierte umgehend Während der Lebensmittelhändler die Drohung meldete, holte sie seine Familie aus einer Zirkusvorstellung und brachte sie zu Verwandten in Sicherheit. Auch der Lebensmittelhändler wurde zu seinem Geschäft eskortiert, um alle Wertsachen zu sichern, bevor er zu seiner Familie stieß. Die Ermittlungen führten jedoch zu einer überraschenden Entdeckung: Die Drohung stammte von einem bekannten Kleinkriminellen, der keinerlei Verbindung zur DZ Mafia hatte. Es stellte sich heraus, dass der Mann lediglich den Namen der Bande genutzt hatte, um den Lebensmittelhändler zu verängstigen.


Ein Syndikat wird Opfer seines Erfolgs

Die DZ Mafia, bis 2023 den Behörden weitgehend unbekannt, hat sich innerhalb von 18 Monaten rasant entwickelt und dutzende Rivalen in blutigen Machtkämpfen ausgeschaltet. Ein Justizsprecher kommentierte jetzt gegenüber der britischen Times: „DZ ist ein Opfer ihres eigenen Erfolgs. Wie bei großen Marken gibt es Nachahmer, die vom Ruf der echten Organisation profitieren wollen.“

Ein skurriles Beispiel ereignete sich, als ein Gefängnisinsasse vorgab, Mitglied der DZ Mafia zu sein, um einen 14-Jährigen als Auftragskiller anzuheuern. Der Teenager sollte einen Rivalen ermorden, tötete jedoch stattdessen einen Taxifahrer, der sich weigerte zu warten, und flüchtete, ohne das eigentliche Ziel zu finden.

In Reaktion auf diese amateurhafte Episode veröffentlichte die DZ Mafia ein bizarr inszeniertes Video. Darin sah man 15 maskierte Männer, flankierend neben ihrem Anführer, der hinter einem improvisierten Altar stand. Der Anführer, dessen Name nicht bekannt ist, leugnete jede Verbindung zu der Tat und betonte, die Bande habe ausreichend eigene Ressourcen, um ihre Angelegenheiten zu regeln.


Von Drogen zu Schutzgelderpressung

Die Polizei vermutet, dass die DZ Mafia hinter bis zu 80 % der drogenbezogenen Morde in Marseille im Jahr 2023 steckt, insgesamt 49 Fälle. 2024 sank die Zahl der Morde auf etwa 20, was als Hinweis auf die etablierte Dominanz der Bande gewertet wird.

In den letzten Jahren hat DZ ihre Aktivitäten über den Drogenhandel hinaus erweitert. Neben Schutzgelderpressung bei Nachtclubs, Geschäften und Rappern wurden auch Haftanstalten ins Visier genommen. Gefängnisbeamte und ihre Familien wurden bedroht, um illegalen Zugang zu Mobiltelefonen für inhaftierte Mitglieder zu erzwingen.

Der Sprecher der Polizeigewerkschaft Unité SGP Police-FO, Bruno Bartocetti, sagte: „DZ handelt wie ein multinationales Unternehmen, das seine Einnahmen diversifizieren will. Ihr Vorgehen ist jedoch weitaus brutaler als das der früheren Banden Marseilles. Hier gilt: ‚Zahlen oder sterben‘ – Verhandlungen gibt es nicht.“


Bedrohung für Gefängnisbeamte

Die jüngste Eskalation betraf die Leiterin des Baumettes-Gefängnisses in Marseille und ihre Stellvertreterin. Beide wurden nach Morddrohungen ihrer Ämter enthoben und unter Polizeischutz gestellt.

Die Drohungen wurden offenbar von Gabriel O., einem 29-jährigen verurteilten Auftragsmörder und einem der drei Hauptführer der DZ Mafia, koordiniert. Die Behörden sehen ihn als Drahtzieher hinter mehreren Angriffen und Erpressungen, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Gefängnisses.

Die DZ Mafia hat sich zu einem der mächtigsten und brutalsten Syndikate Frankreichs entwickelt. Ihre schnelle Expansion, gepaart mit unnachgiebiger Gewalt, hat Marseille in eine Stadt verwandelt, die von Angst und Kontrolle geprägt ist. Während die Polizei versucht, die Bande zu bekämpfen, bleibt die Frage, ob die Dominanz der DZ Mafia das kriminelle Gleichgewicht in Marseille dauerhaft verändert hat.

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