Wien – Es klingt wie aus einem düsteren Mafia-Film: Ein Appartement mitten in der Wiener City, ausgekleidet mit Nylonfolie, Handsägen und Pistolen mit Schalldämpfern. Hier sollen zwei Kroaten im März 2020 von Mitgliedern des berüchtigten Kavač-Clans gefangen gehalten und mit dem Tod bedroht worden sein. Die Details, die im aktuellen Prozess ans Licht kommen, sind schockierend.
Die Entführung: Ein perfider Plan
Laut Anklage wurden die beiden Männer, damals 41 und 64 Jahre alt, unter einem Vorwand nach Wien gelockt. Am Rudolfsplatz, in einem angemieteten Appartement, begann der Albtraum: Gefesselt, misshandelt und mit Zerstückelung bedroht, sollten sie eine Million Euro erpressen – so die ursprüngliche Annahme der Staatsanwaltschaft. Doch neue Ermittlungen zeichnen ein anderes Bild.
Neue Erkenntnisse: Es ging um Schwarzgeld
Wie die Staatsanwaltschaft nun enthüllte, war nicht der Vater eines der Opfer das Ziel der Erpressung, sondern ein Geschäftspartner. Dieser soll durch illegale Geschäfte mit Drogen und Zigaretten ein Vermögen angehäuft haben. In abgehörten Chats, die auf vermeintlich sicheren Krypto-Handys geführt wurden, hieß es: „Wir entführen ihn nicht wegen Papas Millionen, sondern wegen dem Schwarzgeld.“
Todesangst im Nylon-Appartement
Die Opfer standen Todesängste aus. Der Raum, in dem sie festgehalten wurden, war mit Nylonfolie ausgekleidet – ein Bild, das an die düsteren Machenschaften der italienischen Mafia erinnert. Als der ältere der beiden Männer schließlich zusicherte, 750.000 Euro zu zahlen, wurden sie freigelassen. Doch die Angst blieb: „Geld oder Tod“, hieß es in den Chats der Täter.
Ermittlungen und Prozess: Ein Netz aus Lügen
Die Ermittlungen gestalteten sich schwierig. Während die Opfer aus Angst zunächst jede Entführung bestritten, verweigerten auch zwei Mittäter, die aus der Haft vorgeführt wurden, die Aussage. Dennoch konnten die Ermittler durch die Auswertung der Krypto-Handys die Abläufe rekonstruieren. Die Täter hatten sich offenbar sicher gefühlt und sogar Selfies sowie Geburtstagsgrüße über die Geräte verschickt.
Sicherheitsvorkehrungen im Gericht
Der Prozess findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Neben der Justizwache ist auch die WEGA vor Ort. Die Angeklagten, ein 39-jähriger Montenegriner und ein 50-jähriger Serbe, sollen zur mittleren Hierarchie des Kavač-Clans gehören. Mit einem Urteil wird noch am Nachmittag gerechnet.
Quellen: oe24.at
Credits: APA
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