Ein Abschiebeknast, der so teuer ist wie eine Luxuswohnung in bester Lage? In Sachsen-Anhalt wird genau das Realität. Für satte 37,4 Millionen Euro entsteht in Volkstedt eine Einrichtung, die 30 Plätze für ausreisepflichtige Personen bietet. Das bedeutet: Jeder Platz kostet unglaubliche 1,24 Millionen Euro! Wie die Bild berichtet, soll die Anlage bis Ende 2026 fertiggestellt sein und ab 2027 in Betrieb gehen.
Warum so teuer?
Die Baukosten des Abschiebeknasts übersteigen sogar die eines normalen Gefängnisses. Während ein Platz in der benachbarten Justizvollzugsanstalt (JVA) „nur“ 800.000 Euro kostet, schlägt der Abschiebeknast mit 400.000 Euro mehr pro Platz zu Buche. Der Grund? Aufwendige Sicherheitsvorkehrungen, insbesondere gegen Suizidversuche, treiben die Kosten in die Höhe. Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) verteidigt die Ausgaben: „Sicherheit kostet Geld, die Durchsetzung von Sicherheit auch“, zitiert die Bild.
Ein Knast mit Zukunft?
Sachsen-Anhalt hat derzeit keinen eigenen Abschiebeknast und nutzt Einrichtungen anderer Bundesländer. Mit dem neuen Bau will das Land sicherstellen, dass weniger ausreisepflichtige Personen untertauchen. Laut Bild leben in Sachsen-Anhalt über 4000 ausreisepflichtige Menschen, und jeder zweite geplante Rückflug scheitert, weil die Betroffenen vorher verschwinden.
Finanzminister Michael Richter (CDU) sieht den Bau als langfristige Investition: Sollte die Abschiebe-Einrichtung eines Tages nicht mehr benötigt werden, könne man die Mauern öffnen und die Plätze der JVA zuschlagen.
Kritik und offene Fragen
Die hohen Kosten werfen jedoch Fragen auf. Warum wird so viel Geld in eine Einrichtung investiert, deren Zukunft ungewiss ist? Und warum scheiterte der Vorstoß Sachsen-Anhalts im Bundesrat, die strikte Trennung von Abschiebehaft und normalem Strafvollzug vorübergehend aufzuheben? Wie die Bild berichtet, fand sich dafür bislang keine Mehrheit in den Ausschüssen.
Personal gesucht
Damit die Einrichtung ab 2027 reibungslos läuft, stellt das Land bereits jetzt Personal ein. „Knast-Azubis“ sollen die Lücken füllen und den Betrieb sichern, so die Bild. Doch ob das reicht, um die ambitionierten Pläne umzusetzen, bleibt abzuwarten.
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