Einen Tag nach dem Krisengipfel der SPÖ hat sich Wiens Bürgermeister Michael Ludwig zu Wort gemeldet. Er verteidigt den langsamen Übergang mit der Genesung von Finanzminister Markus Marterbauer – und erteilt Gerhard Zeiler eine deutliche Absage.
„Dem haben wir Rechnung getragen“
Ludwig, Wiener SPÖ-Chef und einer der einflussreichsten Akteure in der Partei, war beim Treffen am Sonntag dabei. Im Gespräch mit Journalisten sagte er am Montag laut oe24, es habe in der SPÖ einen starken Wunsch nach Veränderung gegeben. „Dem haben wir Rechnung getragen.“ Er zeigte sich erfreut, dass mit allen Landesparteichefs, der sozialdemokratischen Gewerkschaftsfraktion FSG und den SPÖ-Frauen gemeinsam mit Babler ein Weg zur Neuaufstellung gefunden worden sei. Babler gibt das Vizekanzleramt Anfang 2027 an Marterbauer ab, Eva-Maria Holzleitner und Philip Kucher werden ihm bis dahin zur Seite gestellt.
„Menschlichkeit ist noch wichtiger“
Den späten Zeitpunkt des Wechsels begründete Ludwig mit Marterbauers Gesundheit. „Selbstverständlich wollen wir Rücksicht nehmen auf den Genesungsprozess von Markus Marterbauer“, sagte er. „Politik ist wichtig, aber Menschlichkeit ist noch wichtiger.“ Deshalb habe man eine Lösung gewählt, die erst im kommenden Jahr einen Wechsel vorsehe. Ludwig verwies zudem darauf, dass Marterbauer zu den beliebtesten Politikern des Landes zählt. Tatsächlich erzielte er im Lazarsfeld-Polit-Barometer von Ende September den besten Wert aller Regierungsmitglieder.
Botschaft an die Koalition
Ludwig richtete sich auch an ÖVP und NEOS. Wichtig sei, dass Stabilität in der Bundesregierung sichergestellt werde: „Von daher gibt es keine Überraschungen für die Koalitionspartner auf Bundesebene.“ NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger hatte zuvor kritisiert, mehrmonatige Übergangsprozesse trügen nicht zur nötigen Klarheit bei.
Absage an Zeiler
Deutlich wurde Ludwig bei Gerhard Zeiler, der sich offen um den Parteivorsitz beworben hatte. Ob dieser seine Ambitionen weiterverfolgt, „obliegt ihm natürlich als Person“, sagte Ludwig. „Nach den gestrigen Gesprächen halte ich das allerdings nicht für zweckmäßig. Es hat hier keine sehr starke Stimmung gegeben, die ihn unterstützen würde auf diesem Weg.“ Zeilers Leistungen als Manager solle man schätzen, er habe „großartige Verdienste in der Medienwelt“. Eine Chance auf eine Funktion in der SPÖ sieht Ludwig für ihn aber nicht. Bemerkenswert ist das, weil sich Ludwig laut „Kurier“ erst vor rund zwei Wochen erneut mit Zeiler getroffen hatte, bevor dieser seine Kandidatur öffentlich machte.
Wie es weitergeht
Am Donnerstag soll der Bundesparteivorstand den Fahrplan formal beschließen. Im Frühjahr 2027 soll ein außerordentlicher Parteitag die neue Parteispitze wählen. Ob Zeiler dort antritt oder einen Mitgliederentscheid anstrebt, ist offen.
Credits: C.Stadler/Bwag – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=93841266 – mit KI-Erweiterung
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