Linke Gewalt gegen Rechte: Dreimal so viele Übergriffe wie umgekehrt

Linke Gewalt gegen Rechte: Dreimal so viele Übergriffe wie umgekehrt

Politisch motivierte Gewaltdelikte werden in Deutschland deutlich häufiger von Linken gegen Rechte verübt als umgekehrt. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der AfD hervor. Die Zahlen belegen einen massiven Anstieg der linken Gewalt gegen das rechte Spektrum.

606 gegen 182: Das Zahlenverhältnis

Im Jahr 2025 wurden insgesamt 606 Gewaltdelikte dem Phänomenbereich „PMK-links“ mit dem Unterthemenfeld „gegen rechts“ zugeordnet, wie das Online-Portal Nius berichtet. Im umgekehrten Fall – „PMK-rechts“ mit dem Unterthemenfeld „gegen links“ – registrierten die Behörden 182 Gewalttaten. Damit wurden mehr als dreimal so viele Gewaltdelikte von links gegen rechts erfasst wie von rechts gegen links.

Die Junge Freiheit meldet, dass die Zahlen aus einer parlamentarischen Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Hess an das Bundesinnenministerium hervorgehen. Die Bundesregierung weist allerdings darauf hin, dass die Erfassung der politisch motivierten Kriminalität für das Jahr 2025 noch nicht abgeschlossen ist.

Deutlicher Anstieg im Jahresvergleich

Aus den Daten geht zudem ein deutlicher Anstieg der Gewalt zwischen politischen Lagern hervor, wie die Weltwoche berichtet. Die Zahl der von links gegen rechts verübten Gewalttaten stieg von 416 im Jahr 2024 auf 606 im Jahr 2025 – ein Plus von rund 31 Prozent.

Die Gewalttaten von rechts gegen links nahmen im gleichen Zeitraum von 147 auf 182 zu, meldet Nius. Der Anstieg fällt damit deutlich schwächer aus als bei den linken Gewalttaten.

Wie die Junge Freiheit meldet, registrieren die Sicherheitsbehörden bereits seit 2019 Jahr für Jahr deutlich mehr linksextreme Angriffe auf Rechte als umgekehrt.

Einschränkungen bei der Erfassung

Nach Angaben des Innenministeriums wird die politische Orientierung der Opfer jedoch nicht systematisch erfasst, wie die Weltwoche berichtet. Weshalb die Zahlen als möglicherweise unvollständig gelten. In der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität werden Straftaten zunächst einem Phänomenbereich wie „links“ oder „rechts“ zugeordnet. Ergänzend können Unterthemenfelder vergeben werden, die den Kontext der Tat näher beschreiben.

Politische Reaktionen

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Hess erklärte gegenüber Nius, nicht nur der Anstieg, sondern insbesondere die absoluten Zahlen belegten, von welcher Seite die meiste politische Gewalt ausgehe. Politik und Medien warf er laut Junger Freiheit vor, linke Gewalt seit Jahren zu verharmlosen oder zu relativieren. Durch staatlich geförderte, Antifa-nahe Netzwerke und politisches Wegsehen entstehe ein Klima, in dem linke Staatsfeinde faktisch legitimiert und indirekt ermutigt würden.

Gesamtstatistik zeigt komplexeres Bild

Die Zahlen müssen allerdings im Kontext der Gesamtstatistik betrachtet werden. Wie das Bundesinnenministerium im Mai 2025 mitteilte, wurden im Jahr 2024 insgesamt 42.788 rechts motivierte Straftaten registriert – ein Anstieg um knapp 48 Prozent. Bei den linken Straftaten waren es 9.971 Delikte, ein Plus von über 28 Prozent.

Bei den Gewaltdelikten lag die Zahl im rechten Spektrum bei 1.488, wie das BMI berichtet, während im linken Spektrum 762 Gewaltdelikte registriert wurden. Das bedeutet: Insgesamt gibt es deutlich mehr rechte als linke Gewalt in Deutschland.

Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied: Wie die Bundeszentrale für politische Bildung erklärt, gelten etwa rassistische Aussagen mit herabwürdigender Dimension als rechte Straftaten ebenso wie die öffentliche Präsentation nationalsozialistischer Symbolik. Ähnliche Deliktarten mit einer solchen Dimension gibt es im Linksextremismus nicht. Im Jahr 2024 waren laut BMI 61,51 Prozent aller rechten Straftaten Propagandadelikte.

Unterschiede in der Zählweise

Die Junge Freiheit berichtete bereits im Mai 2025, dass 416 linksextreme Gewalttaten gegen politische Gegner im Jahr 2024 einen dramatischen Anstieg darstellten. Die rechte Gegengewalt blieb deutlich dahinter zurück.

Laut Bundesamt für Verfassungsschutz richteten sich im Jahr 2024 die meisten linksextremistischen Straftaten gegen als solche ausgemachte Rechtsextremisten (3.859 Delikte, plus 133,9 Prozent), gefolgt von Straftaten gegen die Polizei (721 Delikte, minus 36,5 Prozent).

Während Gewalttaten gegen die Polizei stark rückläufig waren (232 Delikte, minus 51,4 Prozent), nahm die Gewalt von Linksextremisten gegen als solche ausgemachte Rechtsextremisten laut Verfassungsschutz deutlich zu (280 Delikte, plus 37,3 Prozent).

Wahlkampf als Treiber

Der deutliche Anstieg könne laut Verfassungsschutz vor allem darauf zurückgeführt werden, dass im Berichtszeitraum Europa- sowie drei Landtagswahlen stattgefunden haben und politische Gegner wie vor allem die AfD aufgrund ihrer hohen Wahl- und Umfrageergebnisse noch einmal besonders in den Fokus gewaltorientierter Linksextremisten rückten.

Neben Brandstiftungen und vereinzelt auch körperlichen Angriffen auf politische Gegner handelte es sich bei vielen Straftaten um entwendete oder beschädigte Wahlplakate.

Kritik an Erfassungsmethoden

Fachleute und Opferberatungsstellen weisen darauf hin, dass rechtsmotivierte Straftaten nicht ausreichend erfasst werden, wie der Mediendienst Integration berichtet. Betroffene rechter Gewalt hätten oft wenig Vertrauen in Behörden und zeigten Straftaten nicht an.

Der Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt meldete im Mai 2025 einen erneuten Anstieg rechter Gewalt. Ein Vergleich mit dem Monitoring unabhängiger Opferberatungsstellen verdeutlichte in der Mehrzahl der Bundesländer dramatische Abweichungen zu den offiziellen Zahlen.

Methodische Besonderheiten

Die Statistik zur politisch motivierten Kriminalität wird als Eingangsstatistik geführt, wie das BKA erklärt. Das bedeutet: Bereits zu Beginn der polizeilichen Ermittlungen prüfen örtliche Beamte, ob eine Tat möglicherweise politisch motiviert war. Die Einordnung als beispielsweise politisch links oder rechts motiviert erfolgt also zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Spätere Erkenntnisse werden oft nicht in der Statistik berücksichtigt.

Wie Statista berichtet, wurden im Jahr 2024 insgesamt rund 37.800 rechtsextremistische und circa 5.860 linksextremistische Straftaten begangen. Bei den Gewalttaten wurden 1.281 mit rechtsextremer und 532 mit linksextremer Motivation erfasst.

Gesamtlage bleibt angespannt

Die politisch motivierte Kriminalität insgesamt erreichte 2024 mit 84.172 Fällen einen neuen Höchststand seit Einführung der Statistik im Jahr 2001, wie das Bundesinnenministerium mitteilte. Die Zahl der politisch motivierten Gewalttaten stieg ebenfalls um 15,33 Prozent auf 4.107 Delikte.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte laut ZDF: „Der noch nie dagewesene Anstieg der Fallzahlen politisch motivierter Straftaten ist eine bedenkliche Entwicklung, die wir mit aller Konsequenz und Entschlossenheit bekämpfen.“

Quellen: Weltwoche, Nius, Junge Freiheit, Bundesinnenministerium, Bundesamt für Verfassungsschutz, Mediendienst Integration, Bundeszentrale für politische Bildung, Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter Gewalt, BKA, Statista, ZDF

Credits: APA

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest
1 Kommentar
Älteste
Neuestes Meistgewählt
1
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x