Kuriose Wende im Ott-Prozess: Wie ein gekentertes Kanu die Republik ins Wanken bringt

Kuriose Wende im Ott-Prozess: Wie ein gekentertes Kanu die Republik ins Wanken bringt

Im Spionage-Prozess gegen den ehemaligen Verfassungsschützer Egisto Ott kommen immer wieder pikante Details ans Licht, die einem Spionage-Roman gleichen. Am Mittwoch wurde der Prozess mit der mit Spannung erwarteten Aussage von Bundespolizeidirektor Michael Takacs fortgesetzt. Dieser berichtete von einem feuchtfröhlichen Betriebsausflug im Jahr 2017, der nun eine zentrale Rolle in der Spionage-Affäre spielt.

Eine verhängnisvolle Bootsfahrt mit Folgen

Was als harmloses Teambuilding-Event auf einem Seitenarm der Donau begann, entwickelte sich zu einem Vorfall mit weitreichenden Konsequenzen. Takacs schilderte vor Gericht, wie er mit seinem Kanu kenterte. „Mein Kanu ist dann gekentert“, so der heutige Bundespolizeidirektor. Sein Diensthandy landete im Wasser – und es war nicht das einzige. Auch die Mobiltelefone von Gernot Maier, damals Referent im Kabinett von Innenminister Wolfgang Sobotka, und Michael Kloibmüller, dem ehemaligen Kabinettschef, wurden bei dem Bootsunfall nass.

Auf dem Handy von Takacs, der damals Fachreferent war, befanden sich laut seiner Aussage „mit Garantie“ Daten, die für ausländische Dienste von Interesse gewesen sein könnten.

Handys auf dem Weg nach Russland?

Um die wertvollen Daten zu retten, wandte sich Takacs direkt an den mitangeklagten IT-Forensiker des damaligen Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT). Er habe den Dienstweg nicht umgangen, da das Kabinett ohnehin „in der Hierarchie ganz oben“ stehe, verteidigte sich Takacs gegen Vorwürfe. Die Anklage wirft dem Forensiker vor, die Daten der Handys nicht nur ausgelesen, sondern an Egisto Ott weitergegeben zu haben. Von dort sollen sie über den flüchtigen Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek direkt beim russischen Inlandsgeheimdienst FSB gelandet sein, wie Reuters berichtet.

Besonders brisant: Wie der Standard schreibt, sollen aus dem Handy von Ex-Kabinettschef Kloibmüller Chats an Medien gelangt sein. Der mitangeklagte Polizist behauptet indes, die Handys seien bei der umstrittenen BVT-Razzia im Februar 2018 verschwunden. Für Takacs ist die Sache klar: „Ich habe daraus gelernt, ich geb sicher keine Handys mehr ab.“

Weitere prominente Zeugen und Verfahren

Der Prozess zieht immer weitere Kreise in der heimischen Politik. Am selben Tag sollte auch Johannes Peterlik, ehemaliger Generalsekretär im Außenministerium, aussagen. Gegen ihn selbst beginnt in zwei Wochen ein separater Prozess. Ihm wird vorgeworfen, von Ott erhaltene Informationen missbraucht und geheime Dokumente, unter anderem zum Nervengift Nowitschok, weitergegeben zu haben.

Egisto Ott selbst muss sich wegen einer langen Liste an Vorwürfen verantworten, darunter nachrichtendienstliche Tätigkeiten für Russland, Amtsmissbrauch und Bestechlichkeit. Ein Ende des Prozesses ist nicht in Sicht, weitere Verhandlungstage sind bereits anberaumt.

Quellen: oe24.at, derstandard.at, reuters.com
Credits: APA

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