Zwischenruf beim Gauder Fest: FPÖ-Abgeordneter stört Bischofspredigt — und verteidigt sich

Zwischenruf beim Gauder Fest: FPÖ-Abgeordneter stört Bischofspredigt — und verteidigt sich

Beim größten Trachtenumzug Österreichs sorgte nicht das Brauchtum für Schlagzeilen, sondern ein FPÖ-Nationalratsabgeordneter. Christoph Steiner unterbrach die Feldmesse mit einem gut hörbaren Kommentar in Richtung Bischof — und hat seither alle gegen sich.

Der Zwischenruf in Zell am Ziller

Das Gauder Fest in Zell am Ziller im Zillertal zog am Sonntag rund 30.000 Besucher an — den Auftakt bildete eine Feldmesse mit dem Innsbrucker Bischof Hermann Glettler. In der ersten Reihe saß FPÖ-Nationalratsabgeordneter Christoph Steiner, selbst Zillertaler, flankiert von Parteikolleginnen wie Dagmar Belakowitsch.

Was dann passierte, sorgt seither für Debatten. Wie die Tiroler Tageszeitung als erste berichtete, soll Steiner nach der Predigt gut hörbar in Richtung Altar gerufen haben: „Wärst besser grüner Politiker geworden.“ Laut heute.at sollen Anwesende sogar die Version „Du hättest besser Politiker bei den Grünen werden sollen — Frechheit!“ gehört haben. Mehrere Zillertaler Bürgermeister entschuldigten sich anschließend beim Bischof für den Vorfall, wie die Tiroler Tageszeitung berichtet.

Steiner: „Nicht geschrien“ — ÖVP: „Zum Fremdschämen“

Steiner selbst relativierte den Ablauf gegenüber der APA. Er habe die Worte nicht lautstark in den Kirchenraum gerufen, sondern vor sich hin sowie zu neben ihm sitzenden Parteikollegen gesagt. Daraufhin habe jemand aus einer anderen Sitzreihe „Aber kein G’scheiter“ gerufen — worauf er erwidert habe: „Dann halt bei den Grünen.“

ÖVP-Landtagsvizepräsident und Bürgermeister Dominik Mainusch widersprach dieser Darstellung. Der Zwischenruf sei „für alle hörbar“ und „zum Fremdschämen“ gewesen. ÖVP-Klubobmann Jakob Wolf ließ wissen: „Das Abbügeln oder gar Abkanzeln kirchlicher Stimmen geht in Tirol gar nicht.“

Was Glettler wirklich predigte — und wen er meinte

Inhaltlich hält Steiner an seiner Kritik fest. Glettler habe in seiner 20-minütigen Predigt die FPÖ „abgekanzelt und diskreditiert“ — parteipolitische Agitation habe in einer Eucharistiefeier nichts verloren, so der Abgeordnete laut tirol.ORF.at.

Die Diözese Innsbruck veröffentlichte die Predigt im Wortlaut auf ihrer Homepage. Darin warnte Glettler vor politischen Akteuren, die vereinfachende Lösungen versprechen: „Mit uns wird alles besser, alles gerechter. Mit uns kommt die gute alte Zeit zurück! Das sind leere Worte.“ Wer die „Klaviatur von Neid, Hass und Verlustängsten“ beherrsche, gegen „Sozialbetrüger“ und „Völkerwanderer“, dem solle man mit Vorsicht begegnen. Den FPÖ-Bezug stellte Glettler dabei nicht explizit her — ließ ihn aber auch nicht verborgen.

Credits: Parlamentsdirektion/Thomas Topf

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