Ostern 2026. Die Eier sind bemalt, die Lämmer sind auf den Tischen, die Kinder suchen im Garten ihre Körbe. Und irgendwo über dem Persischen Golf donnern Kampfjets, steigen Ölpreise, brennen Infrastrukturen.
Wir feiern Auferstehung in einer Welt, die gerade sehr beschäftigt damit ist, sich selbst zu zerlegen.
Das klingt nach Pathos. Ist es aber nicht. Es ist einfach die Realität des Osterwochenendes 2026 in Österreich. Der Liter Diesel kostet über zwei Euro, die Spritpreisbremse hat kaum etwas gebracht, die Inflation zieht wieder an. Das WIFO, die Nationalbank, die Bank Austria – sie alle sagen dasselbe: Der Iran-Krieg reißt ein Loch in jene Wirtschaftserholung, auf die dieses Land seit Jahren gewartet hat. Mini-Wachstum statt Aufschwung. Mehr Teuerung statt Entlastung.
Die Politik? Hat drei Wochen über zehn Cent pro Liter verhandelt. Und sich dabei selbst gelobt.
Währenddessen diskutieren wir über das Kreuz im Klassenzimmer. Über Abschiebungen von integrierten Studenten. Über einen Wirtschaftsminister, der für die hohen Spritpreise die EU verantwortlich macht. Über einen US-Präsidenten, der per Truth Social mitteilt, die Welt zu retten.
Ostern ist eigentlich das Fest des Neuanfangs. Der Hoffnung nach der Dunkelheit. Das klingt in diesen Tagen fast zynisch – und gleichzeitig notwendiger denn je.
Denn das Ungewöhnliche an diesem Osterfest ist nicht, dass die Welt in Aufruhr ist. Das war sie schon öfter. Das Ungewöhnliche ist, wie gleichgültig wir geworden sind. Wie selbstverständlich wir Krieg, Teuerung und politisches Versagen als Hintergrundrauschen hinnehmen, während wir die Schokolade aus den Nestern fischen.
Vielleicht ist genau das der eigentliche Auftrag dieses Festes: Innezuhalten. Nicht weil die Welt es verdient, sondern weil wir es brauchen. Weil man nur dann klug handeln kann, wenn man kurz aufhört, einfach nur zu reagieren.
Die Auferstehung, die Österreich gerade bräuchte, ist keine religiöse. Es ist die Auferstehung des politischen Mutes. Der Bereitschaft, echte Antworten auf echte Probleme zu geben. Nicht zehn Cent auf Pump, nicht Fingerzeige nach Brüssel, nicht Schaufensterpolitik.
Frohe Ostern. Es wäre schön, wenn danach irgendjemand aufstünde.
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