Kolumne: Die ungustiöse Inbesitznahme einer Tragödie durch die Politik

Kolumne: Die ungustiöse Inbesitznahme einer Tragödie durch die Politik

Der Kanzler kam, der Bildungsminister und auch der Staatssekretär im Innenministerium – niemals zuvor drängten sich Österreichs Politiker ungustiöser in den Vordergrund als bei der gestrigen Pressekonferenz zum schrecklichen Amoklauf in Graz.

Die Herren mit übergroßem Geltungsbedürfnis taten sich selbst nichts Gutes, wie die aktuellen Reaktionen auf den Social-Media-Kanälen zeigen: Niemand, garantiert niemand, wollte Betroffenheits-Floskeln eines Staatssekretärs im Innenministerium hören, niemand wollte die stellenweise von einem Zettel heruntergelesenen Null-Aussagen des Bildungsministers hören, niemand war an einer Inszenierung der ohnehin wenig beliebten Bundesregierung in Graz interessiert. Niemand.

Dann hatten sie auch noch alle offenbar die gleiche ChatGPT-Quelle für ihre Reden, die ihre Betroffenheit ausdrücken sollte: „Diese Tat sei nicht in Wort zu fassen …“, etc.etc. Und während ganz Österreich mehr Informationen über die Überlebenschancen der schwerverletzten Schussopfer und über das Motiv und die Personalie des Serienmörders wissen wollte, wurden die Bürger hingehalten – der heutige Tag wird zeigen, ob Innenminister Gerhard Karner nun doch an einer umfassenden und ehrlichen Information der Österreicher interessiert ist. Die Bluttat in Graz ist zu bedeutsam für unser Land, um hier weiter Geheimniskrämerei zu betreiben.

Auch die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) nutzte die Tragödie zum Start einer Waffenverbots-Debatte: Natürlich ist es wesentlich einfacher, allen ehrlichen gesetzestreuen Nicht-Psychopathen etwas zu nehmen, als etwas gegen die wahren Gründe für einen derartigen Serienmord zu tun – gegen Arbeitslosigkeit, gegen Hass im Netz, gegen Mobbing in den Schulen. Und Elke Kahr muss sich den Vorwurf gefallen lassen: Sie machte das bewusst, sie ist nicht dumm und weiß natürlich, wie lächerlich schlecht Messerverbotszonen in Wien wirken.

Das Allerschlimmste an der gestrigen Inszenierung der Politik-Prominenz war jedoch: Die wahren Helden, die ohne Rücksichtnahme auf ihr eigenes Leben hochprofessionell das Oberstufenrealgymnasium gestürmt haben und die überlebenden Schüler in Sicherheit gebracht haben, standen beim großen Medientermin abseits – das Bild des Cobra-Offiziers ganz links im Hintergrund der Politiker-Masse sagte sehr viel über den Zustand dieser Republik.

Parmenion

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