Kiews neue 27-Milliarden-Forderung sorgt für Zweifel in Brüssel

Kiews neue 27-Milliarden-Forderung sorgt für Zweifel in Brüssel

Eine überraschende Finanzforderung aus Kiew bringt die europäischen Verbündeten der Ukraine in Erklärungsnot. Wolodymyr Selenskyjs Regierung verlangt noch in diesem Jahr zusätzliche 27 Milliarden Dollar für ihren Verteidigungshaushalt – ein Betrag, an dem mehrere europäische Diplomaten und EU-Beamte erhebliche Zweifel äußern.

Eine Forderung „wie eine Bombe“

Wie die „Washington Post“ berichtet, waren europäische Regierungen bislang davon ausgegangen, den ukrainischen Finanzbedarf für dieses und das kommende Jahr mit einem Hilfspaket von mehr als 100 Milliarden Dollar weitgehend gedeckt zu haben. Die neue Forderung traf die sogenannte „Koalition der Willigen“ entsprechend unvorbereitet: Sie sei dort „wie eine Bombe eingeschlagen“, zitiert die Zeitung einen hochrangigen Diplomaten. EU-Beamte hätten demnach „ernsthafte Fragen“ zur konkreten Berechnung der Summe. Einige Verantwortliche vermuten laut einem der befragten Diplomaten sogar, Kiew könnte die Summe aus politischen Gründen bewusst höher angesetzt haben.

Kiews Gegenargument: Steigende Kosten, sinkende Hilfe

Die ukrainische Seite führt die Finanzierungslücke dagegen auf handfeste Gründe zurück: steigende Kriegskosten, verspätete Zahlungen und zuletzt spürbar sinkende Militärhilfen. Die Zahlen scheinen diese Darstellung zumindest teilweise zu stützen: Laut dem Bericht der „Washington Post“ sanken die erfassten militärischen Hilfszusagen von rund 26,1 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2025 auf nur noch 19,6 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2026.

Gemeinsame Prüfung mit dem IWF

Angesichts der widersprüchlichen Einschätzungen haben sich EU, Ukraine und der Internationale Währungsfonds nun darauf verständigt, Höhe und Ursachen des tatsächlichen Finanzbedarfs gemeinsam zu überprüfen. Als kurzfristige Überbrückungslösung wird erwogen, für 2027 bereits eingeplante Zahlungen vorzuziehen.

Ob und in welcher Höhe die zusätzlichen Mittel am Ende tatsächlich fließen, dürfte sich erst nach Abschluss dieser gemeinsamen Prüfung entscheiden.

Credits: European Union, 2026, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=128375033

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