Woche für Woche messen Meinungsforscher dieselbe politische Schieflage – und die wird nicht kleiner. FPÖ-Chef Herbert Kickl hat in der Kanzlerfrage einen Wert erreicht, der in Österreich historisch ist: Fast die Hälfte aller Befragten will ihn im Kanzleramt.
46 Prozent – ein Rekord mit Symbolkraft
Wie oe24 unter Berufung auf die jüngste Erhebung der Lazarsfeld Gesellschaft berichtet, erreicht Kickl in der fiktiven Kanzlerfrage aktuell 46 Prozent Zustimmung. Zum Vergleich: Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) kommt auf zwölf Prozent, SPÖ-Vizekanzler Andreas Babler auf sieben Prozent, NEOS-Außenministerin Beate Meinl-Reisinger auf acht Prozent. Zusammengerechnet kommt die gesamte Regierungsspitze auf 27 Prozent – also weniger als Kickl alleine. Die Junge Freiheit bezeichnet das als historische Zustimmungswerte, die in dieser Form in Österreich noch nie gemessen wurden.
Amtsmalus statt Kanzlerbonus
Was die Zahlen besonders brisant macht: Normalerweise genießt ein amtierender Regierungschef einen sogenannten Kanzlerbonus – er ist sichtbar, gestaltet und hat Reichweite. Wie oe24 in seiner Analyse festhält, hat sich in Österreich das Gegenteil entwickelt. Die Meinungsforscher der Lazarsfeld Gesellschaft sprechen von einem Amtsmalus: Je länger die Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS regiert, desto weniger Vertrauen genießt sie in der Bevölkerung. Kickl hingegen profitiert sichtbar von seiner Oppositionsrolle – und vom Versagen der Regierung.
FPÖ auch in der Sonntagsfrage auf Rekordkurs
Die Kanzlerfrage ist kein Ausreißer. Wie unzensuriert.at unter Berufung auf die aktuelle Lazarsfeld-Umfrage berichtet, liegt die FPÖ in der Sonntagsfrage bei 38 Prozent – Gleichstand mit dem Rekordwert vom Jänner. Die ÖVP kommt auf 20 Prozent, die SPÖ auf 18 Prozent. Im Falle einer Neuwahl käme die Koalition auf nur 87 Mandate – fünf zu wenig für eine stabile parlamentarische Mehrheit.
ÖVP kontert – aber ohne Zugkraft
Die Reaktion der Regierungsparteien bleibt defensiv. Wie die Nachrichtenplattform austria.news-pravda.com berichtet, bezeichnete ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti Kickl als sogenannten „Will-nicht-Kanzler“ – eine Anspielung auf sein Scheitern bei den Koalitionsverhandlungen Anfang 2025, als er am Streit ums Innenministerium keine Einigung erzielen konnte. Ob das als Gegenargument trägt, darf bezweifelt werden: Die Umfragedaten zeigen keinen Effekt dieser Argumentation auf Kickls Beliebtheit.
Die Frage, die im Wiener Politikbetrieb zunehmend laut wird, lautet daher nicht mehr, ob Kickl führt – sondern wann er seine Umfragewerte in echte Regierungsmacht ummünzen kann.
Credits: APA
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