Endlich Aufatmen an der Supermarktkasse? Kanzler Stocker feiert den „Zweier“ vor dem Komma als großen Sieg der Regierung, doch Experten warnen vor verfrühtem Jubel.
Es ist die Nachricht, auf die ganz Österreich gewartet hat. Nach Jahren, in denen uns die Preise bei jedem Einkauf fast die Tränen in die Augen trieben, gibt es jetzt die Trendwende. Wie oe24 berichtet, sackte die Inflationsrate im Jänner laut Schnellschätzung der Statistik Austria auf glatte 2,0 Prozent ab.
Kanzler Christian Stocker (ÖVP) ließ sich diese Steilvorlage natürlich nicht entgehen. Bei einer Pressekonferenz am Mittwochvormittag strahlte er mit der Sonne um die Wette. Seine „2-1-0-Formel“, die er vor einem halben Jahr propagierte, scheint aufzugehen: 2 Prozent Inflation waren das Ziel, und genau da sind wir jetzt gelandet. „Alles, was wir uns vorgenommen haben, haben wir uns erarbeitet“, bilanziert der Regierungschef selbstbewusst, wie Vienna.at schreibt.
Der „Zweier“ steht – aber warum eigentlich?
Doch ist das wirklich allein das Verdienst der Politik? Nicht ganz. Experten weisen auf einen simplen statistischen Effekt hin. Ende 2024 lief die Strompreisbremse aus, was die Preise Anfang 2025 sprunghaft ansteigen ließ. Dieser Preisschock fällt im Jahresvergleich nun weg. Dieser sogenannte „Basiseffekt“ allein drückt die Inflation laut IHS-Berechnungen um satte 0,8 Prozentpunkte.
Dennoch: Die Regierung reklamiert den Erfolg für sich. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) sieht darin einen klaren „Beleg für die Wirksamkeit der Regierungsmaßnahmen“, zitiert ihn der ORF. Auch die kommende Mehrwertsteuersenkung und der Österreich-Stromtarif ab März seien in den Prognosen schon eingepreist.
Vizekanzler Babler: „Unsere Maßnahmen wirken“
Nicht nur die ÖVP klopft sich auf die Schulter. Auch der Koalitionspartner will ein Stück vom Erfolgskuchen. Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) sieht den Regierungskurs bestätigt. „Diese Regierung hat sich für den Kampf gegen die Teuerung zuständig erklärt“, so Babler laut ORF. Er verweist auf den Mietpreisstopp und das Günstiger-Strom-Gesetz als treibende Kräfte für die Entspannung.
Vorsicht Falle: Öl und Gas bleiben unberechenbar
Ist damit alles gut? Leider nein. IHS-Ökonom Sebastian Koch gießt ein wenig Wasser in den Wein der Euphorie. Wie Der Standard berichtet, bleiben Risiken bestehen. Die geopolitische Lage ist angespannt wie eh und je. Ein Funke genügt, und die Öl- und Gaspreise könnten wieder durch die Decke schießen. Zudem steht eine Neugewichtung des Warenkorbs durch die Statistik Austria an – das könnte die schönen Zahlen auf dem Papier schnell wieder durcheinanderwirbeln.
Kanzler Stocker ruft bereits das Jahr 2026 zum „Jahr des Aufschwungs“ aus. Ob das Geldbörserl der Österreicher das am Ende des Monats genauso sieht, bleibt abzuwarten.
Quellen: oe24, ORF, Der Standard, Vienna.at
Credits: APA
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