Ein Erfolgsmodell wird beschnitten: Seit 2012 unterstützt das Jugendcoaching Jugendliche ab 15 Jahren dabei, in der Schule zu bleiben oder nach einem Abbruch wieder Fuß zu fassen. Doch jetzt wird gespart – und das ausgerechnet in einer Zeit, in der die Herausforderungen für junge Menschen größer denn je sind.
Wie oe24.at berichtet, fällt an AHS und BHS ein Drittel des Angebots weg. Besonders betroffen sind die Oberstufen, wo viele Schüler im ersten Jahr feststellen, dass sie mit der Schulform überfordert sind. Ohne die Unterstützung der Jugendcoaches droht vielen der Abbruch. Isabella Zins, Sprecherin der AHS-Direktoren, zeigt sich entsetzt: „In Zeiten wie diesen braucht es mehr Unterstützung, nicht weniger!“
„Sehr heftig“: BHS-Direktoren schlagen Alarm
Auch an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) ist die Lage dramatisch. Wolfgang Bodai, Sprecher der BHS-Direktoren, betont: „Wenn Jugendliche die Orientierung verlieren, helfen die Jugendcoaches wirklich sehr.“ Doch mit den Kürzungen fehlt es an geschultem Personal, das Schülern Alternativen aufzeigen kann.
Statistiken der Statistik Austria untermauern die Dramatik: An den AHS-Oberstufen wechselt ein Viertel der Schüler die Schulform oder bricht ab, an den BHS ist es sogar ein Drittel. Besonders hoch sind die Abbruchraten im ersten Jahr.
Ministerium verteidigt Einsparungen
Das Sozialministerium unter Korinna Schumann (SPÖ) rechtfertigt die Kürzungen mit Budgetzwängen. Laut Ministerium wird das Jugendcoaching „nur in geringerem Ausmaß“ fortgeführt. Die Mittel wurden in Regionen mit höherem Bedarf umgeschichtet, etwa zu Pflichtschulen und jungen Menschen mit Behinderung. In Wien, wo der Bedarf besonders hoch ist, wurde das Angebot weniger stark gekürzt – allerdings auf Kosten der höheren Schulen.
Experten warnen vor „kurzsichtigen“ Entscheidungen
Mario Steiner vom Institut für Höhere Studien (IHS), der das Jugendcoaching 2021 evaluiert hat, kritisiert die Kürzungen scharf. Er bezeichnet sie als „sehr kurzsichtig“ und warnt: „Nur mit guter Beratung kann verhindert werden, dass Jugendliche Zeit und der Staat Geld in eine unpassende Ausbildung investieren.“
Besonders widersprüchlich erscheint die Entscheidung vor dem Hintergrund der geplanten Einführung von „Perspektivengesprächen“ durch das Bildungsministerium. Diese sollen Schulabbrechern neue Möglichkeiten aufzeigen – eine Aufgabe, die bisher von Jugendcoaches übernommen wurde. Doch mit den Kürzungen fehlt es an Personal, um diese Gespräche durchzuführen.
Quelle: APA, oe24, Statistik Austria
Credits: APA
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