Israel und Libanon verhandeln in Washington – zum ersten Mal seit Jahrzehnten

Israel und Libanon verhandeln in Washington – zum ersten Mal seit Jahrzehnten

Zum zweiten Mal in wenigen Tagen treffen sich israelische und libanesische Diplomaten direkt am Verhandlungstisch in Washington. Die auslaufende Waffenruhe macht Druck – der Libanon will eine Verlängerung, Israel will die Entwaffnung der Hisbollah.

Historische Begegnung – aber ohne Durchbruch

Israel und der Libanon befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand und unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Umso bemerkenswerter war, was vergangene Woche in Washington geschah: Erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten führten Vertreter beider Länder auf Botschafterebene direkte Gespräche. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtete, endete das Treffen jedoch ohne konkrete Ergebnisse.

Nun folgte am Donnerstag eine zweite Runde – wieder in Washington, wieder mit US-Außenminister Marco Rubio als Gastgeber. Der israelische Botschafter in den USA, Yechiel Leiter, und die libanesische Botschafterin Nada Hamadeh Moawad trafen dabei erneut aufeinander, diesmal auch in Anwesenheit von US-Botschafter Mike Huckabee (Israel) und Michel Issa (Libanon).

Libanon fordert Verlängerung – und ein Ende der Zerstörung

Libanesischer Präsident Joseph Aoun machte im Vorfeld klar, was Beirut einfordert. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtete, will der Libanon eine einmonatige Verlängerung der aktuellen Waffenruhe durchsetzen sowie deren strikte Einhaltung. Außerdem fordert Beirut einen Stopp von Sprengungen und Zerstörungen in Gebieten, in denen israelische Truppen präsent sind – und ein Ende der Angriffe auf Zivilisten, Gotteshäuser, Journalisten sowie den Medizin- und Bildungssektor.

Die Waffenruhe war am vergangenen Freitag in Kraft getreten und läuft nach aktuellem Stand am Sonntag aus. Die Lage vor Ort ist trotzdem angespannt: Bei einem israelischen Angriff im Süden des Libanon wurden laut dem libanesischen Gesundheitsministerium am Donnerstag drei Menschen getötet, darunter bei einem Angriff auf eine Straße in der Region Nabatäa rund 30 Kilometer nördlich der Grenze.

Israel: „Hisbollah ist das eigentliche Problem“

Auf israelischer Seite ist die Agenda eine andere. Israelischer Außenminister Gideon Saar erklärte am Mittwoch laut Tiroler Tageszeitung, es gebe keine „ernsthaften Meinungsverschiedenheiten“ mit dem Libanon als Staat. Sein Kernargument: „Der Libanon ist de facto unter iranischer Besatzung durch die Hisbollah.“ Diese sei das größte Hindernis für Frieden und Normalisierung zwischen beiden Ländern. Israel will laut eigenem Bekunden weiterhin im Südlibanon präsent bleiben, um die Infrastruktur der Hisbollah zu zerstören.

Die Hisbollah selbst lehnt direkte Gespräche mit Israel und eine Waffenruhe komplett ab – ihr erklärtes Ziel ist die Vernichtung des israelischen Staates.

Der Hintergrund: Libanon im Strudel des Iran-Kriegs

Der Libanon war Anfang März in den seit Ende Februar tobenden Iran-Krieg hineingezogen worden, als die Hisbollah nach der Tötung des iranischen Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei Raketen auf Israel abfeuerte. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtete, reagierte Israel mit massiven Luftangriffen und dem Einsatz von Bodentruppen. Seither wurden im Libanon mehr als 2.400 Menschen getötet, über eine Million mussten ihre Häuser verlassen.

Credits: APA

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