Islamisierung Europas? Alarmierender Bericht der französischen Regierung über Muslimbruderschaft geleakt

Islamisierung Europas? Alarmierender Bericht der französischen Regierung über Muslimbruderschaft geleakt

Ein durchgesickerter Regierungsbericht zur Einflussnahme der Muslimbruderschaft in Frankreich und Europa sorgt für Kritik von Wissenschaftlern, NGOs und Vertretern muslimischer Gemeinschaften. Im Bericht zu lesen: Die ägyptisch-islamistische Organisation würde versuchen, gezielt politische Entscheidungsträger zu beeinflussen, um langfristig eine islamisch geprägte Staatsordnung zu erreichen.

Obwohl die offizielle Version des Berichts laut dem Élysée-Palast noch in dieser Woche veröffentlicht werden soll, wurde bereits eine vorläufige Fassung an Medien – darunter auch an das bekannte News-Magazin Politico – geleakt. Die darin enthaltenen Vorwürfe stützen sich auf verschiedene angebliche Belege, deren direkte Verbindung zur Muslimbruderschaft jedoch oft vage bleibt. Innenminister Bruno Retailleau erklärte gegenüber Le Parisien, einige Passagen würden aus Sicherheitsgründen unter Verschluss bleiben.

Der Politikwissenschaftler Franck Frégosi, ein anerkannter Experte für Islam in Frankreich, dessen Forschung in dem Bericht selbst zitiert wird, kritisierte den Ton des Dokuments scharf. In mehreren Interviews warf er den Autoren vor, legitime religiöse Ausdrucksformen wie das Tragen eines Kopftuchs vorschnell als Ergebnis islamistischer Einflussnahme zu werten. Gegenüber France Inter sagte Frégosi, der Bericht suggeriere eine Bedrohung, wo es sich jedoch oft um alltägliche religiöse Praxis handle.

Auch die belgisch-marokkanische Soziologin Nadia Fadil äußerte sich kritisch. Die Forscherin, die sich auf Islam in Europa spezialisiert hat, warf dem Bericht vor, sehr unterschiedliche Akteure innerhalb der muslimischen Zivilgesellschaft pauschal mit der Muslimbruderschaft in Verbindung zu bringen. Dies sei eine „bequeme Vereinfachung“, die sie mit der Gleichsetzung aller linken Bewegungen mit Karl Marx verglich.

Muslimische Organisationen sehen pauschale Stigmatisierung

Der Französische Rat für den muslimischen Glauben (CFCM), bis 2023 offizieller Ansprechpartner der Regierung für muslimische Angelegenheiten, äußerte sich ebenfalls besorgt. In einer Stellungnahme warnte der Rat vor einem Klima des „ständigen Misstrauens“ gegenüber Muslimen in Frankreich, das durch solche Berichte zusätzlich geschürt werde.

Mehrere im Bericht namentlich genannte Organisationen, die als mutmaßliche Ableger oder ideologische Verbündete der Muslimbruderschaft bezeichnet werden, wiesen die Vorwürfe energisch zurück. Die Föderation französischer Muslime, die im Bericht als „nationale Vertretung der Muslimbruderschaft“ bezeichnet wird, sprach von „haltlosen Anschuldigungen“.

Auch das Forum europäischer muslimischer Jugend- und Studentenorganisationen (FEMYSO), das laut Bericht Verbindungen zur Muslimbruderschaft haben soll, wies jede politische Vereinnahmung zurück. In einer Erklärung betonte die Organisation: „Wir lehnen jeden Versuch ab, uns mit politischen Bewegungen in Verbindung zu bringen.“

Der Bericht trifft in Frankreich auf ein besonders sensibles gesellschaftliches Klima, in dem Fragen der Religionsfreiheit, Integration und nationalen Sicherheit eng miteinander verwoben sind. Präsident Emmanuel Macron hatte sich in den vergangenen Jahren für eine stärkere Kontrolle islamischer Einrichtungen eingesetzt und 2023 die offiziellen Kontakte zum CFCM beendet, um neue Strukturen zu schaffen.

Credit: APA

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