Florentina Holzingers „Seaworld Venice“ ist in den sozialen Netzwerken explodiert. Ein Video der nackten Künstlerin in einer Glocke geht weltweit um. Die SPÖ verteidigt die 600.000-Euro-Förderung — die FPÖ fordert Bablers Rücktritt.
Viral ohne Absicht — oder mit?
Was als österreichischer Kunstbeitrag zur 61. Biennale in Venedig geplant war, ist seit dem 6. Mai 2026 ein globales Social-Media-Phänomen. Ein Video zeigt Künstlerin Florentina Holzinger nackt in einer übergroßen Glocke, in der sie sich wie ein menschlicher Klöppel bewegt. Dazu: nackte Performerinnen auf Jetskis, Urintanks, gefüllte von mobilen Bauarbeitertoiletten, und eine Website mit der kurzzeitig sichtbaren Botschaft „I Live in your Piss.“ Wie vol.at berichtet, hat der österreichische Pavillon heuer außergewöhnlich viel internationale Aufmerksamkeit erhalten — von Australien bis Nordamerika berichten Medien über „Seaworld Venice“.
Babler: „Kunst darf irritieren“
Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) reiste im Dienstwagen nach Venedig, eröffnete den Pavillon persönlich und stellte sich öffentlich hinter das Projekt. Holzinger sei „radikal, körperlich, feministisch — und zutiefst politisch“, erklärte er laut oe24. Kunst habe „schon immer angeeckt, war widerspenstig, hat Grenzen aufgezeigt.“ Mit der Teilnahme an der Biennale bekräftige Österreich: „Wir nehmen Kunst ernst. Und wir nehmen ihre Freiheit ernst.“
SPÖ-Kultursprecherin Katrin Auer legte nach und bezeichnete die FPÖ-Kritik in einer Aussendung als „erwartungsgemäß kleingeistig und nachgerade lächerlich.“ Holzinger sei „eine österreichische Künstlerin von Weltgeltung“, die in ihrer Arbeit Themen wie Wasser und Wasserverschmutzung behandle.
FPÖ: Rücktritt und Rücktritt und Rücktritt
FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz ließ an der Qualifikation des Ministers wenig Zweifel. Bablers Reise nach Venedig sei „ein klarer Rücktrittsgrund“ — der Vizekanzler reise „mitten in der Rekordteuerung, mitten in einer Budgetkrise auf Kosten der Steuerzahler nach Venedig, um eine 600.000-Euro-Steuer-Show im Riesen-Klo zu verteidigen“, erklärte er laut fpoe.at. Den Vergleich mit einem freiheitlichen Minister ließ er sich nicht nehmen: „In der Republik würde kein Stein auf dem anderen bleiben.“
Einen sachlichen Fehler leistete sich Schnedlitz dabei: Er behauptete, Babler sei „gejettet“. Tatsächlich reiste der Minister laut oe24 im Auto an.
Was wirklich auf dem Spiel steht
Die eigentliche Frage hinter dem Kulturstreit ist eine strukturelle: Wer entscheidet, welche Kunst mit Steuergeld gefördert wird — und nach welchen Kriterien? Das Holzinger-Projekt wurde von einer unabhängigen Fachjury aus 54 Einreichungen ausgewählt. Beschlossen hatte die Nominierung noch Bablers Vorgänger Werner Kogler (Grüne) im Jänner 2025. Babler hat die Förderung geerbt — und sie verteidigt.
Dass der österreichische Pavillon heuer mehr internationale Aufmerksamkeit bekommt als in Jahrzehnten, ist dabei kein rein österreichisches Thema mehr. Ob das Kunst ist oder Provokation — diese Debatte führt die Welt gerade mit.
Credits: APA
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