“Höchst peinlich”: IG Metall und VW-Betriebsrat attackieren Audi-Chef für Trump-Auftritt

“Höchst peinlich”: IG Metall und VW-Betriebsrat attackieren Audi-Chef für Trump-Auftritt

Vier Milliarden Dollar, ein neues Werk in Georgia – und ein Auftritt, der in Deutschland für Empörung sorgt. Audi-Chef Gernot Döllner stand am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump auf der Bühne. Jetzt werfen ihm IG Metall und VW-Betriebsrat vor, gegen die eigenen Firmenregeln verstoßen zu haben.

“Politisch inakzeptabel”

Die schärfsten Worte kommen von der Vorsitzenden der IG Metall. “Die Art und Weise, wie Gernot Döllner sich und Audi in den USA präsentiert hat, ist höchst peinlich, politisch inakzeptabel und dem Unternehmen, vor allem aber den Audianerinnen und Audianern, nicht würdig”, erklärte Christiane Benner am Montag laut Reuters. Benner sitzt seit dem Vorjahr auch im Aufsichtsrat von Volkswagen, dem Mutterkonzern von Audi. Döllner habe die eigenen Unternehmensregeln “eklatant” verletzt.

Was im Code of Conduct steht

Gemeint ist der Verhaltenskodex, den Audi im April veröffentlicht und den Döllner selbst unterschrieben hat. Darin verpflichtet sich das Unternehmen laut Reuters zu politischer Neutralität: “Um diesen Grundsatz zu respektieren, werden in den letzten drei Monaten vor Wahlen keine öffentlich wirksamen Termine mit zur Wahl stehenden Parteien/Politikern und keine Sponsorings von entsprechenden Veranstaltungen mehr durchgeführt.” In den USA finden am 3. November die Kongresswahlen statt, Trumps Auftritt in Georgia war Teil des Wahlkampfs.

Auch der VW-Betriebsrat ist empört

Kritik kommt auch aus dem Volkswagen-Konzern selbst. VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo kritisierte den Auftritt ebenfalls scharf und nahm laut dpa auch den gesamten VW-Vorstand um Konzernchef Oliver Blume ins Visier. Die Pläne für das neue Werk selbst bewertete sie laut VOL.AT allerdings nüchterner. Auch Benner geht es nicht um ein Nein zum US-Werk: Die Arbeitnehmervertretung fordere Sicherheit für die deutschen Standorte und zugleich eine klare Nordamerika-Strategie von Volkswagen und Audi, sagte sie. Im Fokus stünden die Beschäftigungsperspektiven in Deutschland.

Döllner: “Wenn der Präsident einlädt”

Döllner hatte seinen Auftritt bereits am Sonntag verteidigt. “Dieser Entscheidung gingen viele Monate sorgfältiger Planung und intensiver Verhandlungen voraus”, sagte er laut Reuters. “Wenn der amerikanische Präsident einen einlädt, nimmt man die Einladung an.” Laut CNBC hatte die Trump-Regierung Audi gebeten, das Werk bei der Kundgebung zu verkünden. Döllner betonte zugleich: “Deutschland bleibt das Rückgrat von Audi.” Eine Reaktion von Audi auf die Kritik von Gewerkschaft und Betriebsrat lag zunächst nicht vor.

Das Werk und die Zölle

Das neue Werk soll nahe der Stadt Macon entstehen und rund 4.500 Arbeitsplätze schaffen, gebaut werden sollen dort große SUVs wie Q7, Q8 und Q9. Baubeginn ist laut Audi 2027. Hintergrund sind Trumps Zölle: Audi hatte bisher alle in den USA verkauften Autos importiert und wurde dadurch besonders hart getroffen. Für die Beschäftigten in Ingolstadt und Neckarsulm stellt sich nun die Frage, was ein großes US-Werk für ihre Standorte bedeutet – zumal der VW-Konzern mitten in einem Sparprogramm steckt.

Credits: Credits: AUDI AG, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=140705954

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