Ausgerechnet der 2017 verstorbene Playboy-Gründer Hugh Hefner soll das FBI bereits 2005 vor dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gewarnt haben. Das geht aus einer Klage von Epstein-Überlebenden gegen die US-Bundesregierung hervor, über die zuerst die US-Journalistin Julie K. Brown auf ihrem Substack-Kanal berichtete.
Die Vorwürfe im Detail
Laut der Klageschrift wandte sich das frühere Playboy-Playmate Audra Christiansen im Jahr 2005 an Hefner und berichtete ihm, sie sei von Epstein vergewaltigt und anschließend über Jahre hinweg an dessen wohlhabende Bekannte weitervermittelt worden. Zum damaligen Zeitpunkt lebte Christiansen im Playboy Mansion, wie das Portal „Dispatch Times“ unter Berufung auf die „New York Post“ berichtet. Sie bat Hefner, selbst beim FBI Anzeige zu erstatten – in der Annahme, ein Anruf einer Person mit seinem öffentlichen Status würde von den Ermittlern ernster genommen als eine Meldung von ihr allein, wie der Sender NewsNation berichtet.
Mehrfache Kontaktaufnahme, keine Reaktion
Laut der Klage rief Hefner das FBI daraufhin mehrmals an, um Epstein zu melden. Das Portal „The Deep Dive“ zitiert aus der Klageschrift, wonach die Behörde „etwa 15 Jahre lang“ weder Christiansens Hinweise untersuchte noch ihren Vorwürfen nachging. Erst im Oktober 2020 – 15 Jahre nach den ursprünglichen Meldungen und nachdem sowohl Hefner als auch Epstein bereits verstorben waren – meldete sich das FBI erstmals bei Christiansen selbst.
Christiansens eigene Schilderung
Gegenüber NewsNation schilderte Christiansen, dass sie sich auch später noch mehrfach vergeblich an die Behörden gewandt habe: „Ich habe 2020 erneut angerufen, wegen Drohungen gegen unsere Familie. Ich konnte nie mit dem FBI sprechen. Ich habe sogar eine Anwältin engagiert, um mit ihnen zu sprechen, und sie wollten sich weder mit ihr noch mit mir treffen. Noch immer nichts vom Justizministerium oder FBI.“ Nach eigenen Angaben wurde sie über zehn Jahre hinweg Opfer von Menschenhandel.
Die Klage von 34 Betroffenen
Die Vorwürfe sind Teil einer umfassenderen Klage, die ursprünglich im September 2024 in Washington eingereicht und später an ein Bundesgericht im Süden Floridas überwiesen wurde, wie das Portal „WLT Report“ dokumentiert. Bis September 2025 umfasste die Klageschrift 32 sogenannte Jane-Doe-Klägerinnen, die der US-Regierung Fahrlässigkeit vorwerfen, weil das FBI es versäumt habe, einzugreifen. Die Klage wirft der Behörde konkret vor, verpflichtende Richtlinien zur Untersuchung von Hinweisen auf Kindesmissbrauch und Menschenhandel verletzt zu haben – und dadurch ein vorhersehbares Risiko für spätere Opfer von Epsteins Menschenhandelsnetzwerk geschaffen zu haben, wie aus der Klageschrift hervorgeht, die NewsNation zitiert. Das FBI selbst versucht laut „The Deep Dive“, die Klage mit dem Argument abweisen zu lassen, die Vorwürfe – die den Zeitraum zwischen 1996 und 2017 betreffen – seien verjährt.
Reaktion der Opferanwälte
Arick Fudali, der mehrere Epstein-Überlebende vertritt, bezeichnete die aktuellen Enthüllungen gegenüber NewsNation als „verheerend, aber nicht überraschend“.
Hefners eigene, belastete Vorgeschichte
Bemerkenswert an dem Fall ist der Kontrast zur eigenen Vergangenheit Hefners: Der Playboy-Gründer sah sich selbst wiederholt mit Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens konfrontiert. Eine Dokumentarserie aus dem Jahr 2022 erhob den Vorwurf, Hefner habe Frauen im Playboy Mansion systematisch manipuliert und teils unter Drogeneinfluss zu sexuellen Handlungen gedrängt, wie „The Deep Dive“ berichtet.
Ein weiteres Kapitel der Epstein-Aufarbeitung
Der Fall reiht sich in eine ganze Reihe von Enthüllungen der vergangenen Jahre ein, die immer wieder die Frage aufwerfen, wie viele frühzeitige Warnungen vor Epsteins Verbrechen von Behörden ignoriert wurden. Ob und wann die aktuelle Klage zu einer gerichtlichen Klärung der Verantwortlichkeiten führt, ist derzeit offen.
Hinweis: Dieser Artikel behandelt sexualisierte Gewalt und Menschenhandel. Wer selbst betroffen ist oder Hilfe für Betroffene sucht, kann sich an entsprechende Opferschutz- und Beratungsstellen wenden.
Credits: Toglenn – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12656003 und KI-bearbeitet
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