In der bislang wohl massivsten Angriffswelle seit Beginn des russischen Angriffskriegs hat die Ukraine in der Nacht auf Sonntag hunderte Drohnen tief nach Russland geschickt. Parallel dazu bombardierte Russland Kiew mit ballistischen Raketen – auf beiden Seiten gab es Todesopfer.
600 Drohnen allein auf Moskau
Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte auf der staatsnahen Plattform MAX, zwischen Samstagabend und 6:30 Uhr Ortszeit am Sonntag seien 600 Drohnen in Richtung der Region Moskau unterwegs gewesen, wie France24 aus seinem Beitrag zitiert. 201 davon seien über der Region Moskau selbst abgeschossen worden. Russlands Verteidigungsministerium erklärte, landesweit seien in derselben Nacht insgesamt 822 ukrainische Drohnen zerstört worden, wie Al Jazeera berichtet – nach eigener Einschätzung Russlands damit einer der größten Angriffe des gesamten Krieges auf die russische Hauptstadt.
Tote in Russland, brennende Lagerhallen
Bei den Angriffen kamen laut den russischen Behörden mehrere Menschen ums Leben. Ein 83-jähriger Mann starb, nachdem eine ukrainische Drohne in der Region Moskau ein Privathaus traf, wie der Gouverneur der Region, Andrej Worobjow, mitteilte. Er bestätigte zudem, dass ein ukrainischer Angriff einen Großbrand in einem Lagerhaus des russischen Online-Handelsriesen Wildberries in der Stadt Podolsk ausgelöst hatte. Im südrussischen Gebiet Rostow, das an die Ukraine grenzt, wurden nach Angaben der dortigen Behörden mindestens fünf Menschen bei Drohnenangriffen auf drei Ortschaften getötet, wie Al Jazeera berichtet. Russlands Luftfahrtbehörde Rosaviatsiya verhängte in der Folge zeitweise Flugbeschränkungen an mehreren Flughäfen, darunter an drei der vier internationalen Flughäfen Moskaus.
Kiew unter Raketenbeschuss
Parallel dazu setzte Russland seine eigene Angriffskampagne mit Langstreckenwaffen fort. Nach ukrainischen Angaben feuerte Russland mehrere Raketen sowie 106 Drohnen auf das Land ab, wie ABC News berichtet – drei Raketen und 85 Drohnen konnten demnach abgefangen oder anderweitig neutralisiert werden. In Kiew brachen infolge der Angriffe an mehreren Stellen Brände aus, unter anderem an einem Buchmarkt in der Innenstadt, sechs Menschen wurden verletzt. „Wo immer die Russen mit ihren ballistischen Raketen hinkommen, treffen sie zivile Infrastruktur“, zitiert der US-Sender CBS News Präsident Wolodymyr Selenskyj. Bereits am Samstagabend hatten ukrainische Behörden von mindestens einem Toten und sieben Verletzten durch russische Luftangriffe berichtet.
Eine eskalierende Zielsetzung
Wie mehrere internationale Medien übereinstimmend berichten, hat die Ukraine ihre eigenen Angriffe auf russisches Territorium im laufenden Jahr deutlich intensiviert – mit Langstreckenraketen und Drohnenschwärmen, die zunehmend auf die russische Rüstungsindustrie sowie Energieinfrastruktur zielen. Auch auf der seit 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim führt die Ukraine mittlerweile eine anhaltende Drohnenkampagne, wie NPR berichtet.
Ein Krieg ohne Anzeichen einer Deeskalation
Die massive Angriffswelle vom Wochenende zeigt, wie weit beide Kriegsparteien inzwischen bereit sind zu gehen, um die jeweils andere Seite empfindlich zu treffen. Weder auf ukrainischer noch auf russischer Seite deutet sich derzeit eine Abkehr von dieser Eskalationsspirale an – im Gegenteil: Nach Einschätzung mehrerer internationaler Medien dürfte sich die wechselseitige Zerstörungskampagne mit Langstreckenwaffen in den kommenden Wochen eher fortsetzen als abschwächen.
Credits: BKA Christopher Dunker
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