Von Schweden über England bis nach Deutschland setzen linke Parteien zunehmend auf mehrsprachige, gezielte Wahlkampagnen, um muslimische Wählerinnen und Wähler zu erreichen. Ein Blick auf mehrere aktuelle Beispiele zeigt, wie unterschiedlich diese Strategie ausfällt – und wie erfolgreich sie sein kann.
Arabischsprachige Kampagne in Schweden
In Schweden wirbt die sozialistische Partei Vänsterpartiet (kurz V) unter Parteichefin Nooshi Dadgostar in arabischsprachigen Social-Media-Gruppen mit dem Slogan „Wählt V oder geht zum Flughafen“ um Stimmen, wie das deutsche Onlinemagazin „Apollo News“ berichtet. Rund um die Parlamentswahl läuft demnach eine eigene arabischsprachige Kampagne, die muslimische Wähler dazu aufruft, ihre Stimmen nicht auf verschiedene Parteien zu verteilen, sondern geschlossen für die Linkspartei zu stimmen. Bemerkenswert dabei: Sowohl der Partei als auch den angesprochenen Wählern ist ein inhaltliches Spannungsfeld bewusst – in Fragen der Emanzipation und der LGBTQ-Rechte vertritt Vänsterpartiet Positionen, die mit den Vorstellungen vieler Muslime nur schwer vereinbar sind. Die Botschaft der Partei lautet dem Bericht zufolge dennoch, über diese Unterschiede hinwegzusehen und stattdessen zu betonen, was die Partei für Muslime, Einwanderer und die palästinensische Sache leiste.
Grüne gewinnen Sitz in England mit mehrsprachigem Wahlkampf
Wie wirksam eine solche gezielte Ansprache sein kann, zeigte sich bei einer Nachwahl im britischen Wahlkreis Gorton and Denton vor wenigen Monaten. Grünen-Kandidatin Hannah Spencer gewann dort mit 40,7 Prozent der Stimmen – in einem Wahlkreis, dessen Ortsteil Longsight zu mehr als 60 Prozent muslimisch geprägt ist. Die Partei verteilte Wahlkampfmaterial auf Urdu, Bengali, Arabisch und Paschtu und warb gezielt an Moscheen um Unterstützung. Spencer selbst trat in einem Wahlkampfvideo auf Urdu auf und forderte muslimische Wähler dazu auf, Labour wegen dessen Gaza-Politik abzustrafen. Ein erheblicher Teil der muslimischen Wählerschaft wechselte daraufhin von Labour zu den Grünen, wodurch Spencer der Einzug ins britische Unterhaus gelang.
Die Linke in Deutschland als stärkste Kraft unter Muslimen
Auch in Deutschland zeigt sich die wachsende Bedeutung muslimischer Wählerstimmen deutlich. Bei der Bundestagswahl 2025 war Die Linke unter muslimischen Wählern mit 29 Prozent stärkste Partei, knapp vor der SPD mit 28 Prozent, auch das BSW kam auf 16 Prozent. Die Parteien reagieren darauf mit gezielter mehrsprachiger Ansprache: Wahlkampf wird längst nicht mehr nur auf Deutsch geführt, sondern zunehmend auch auf Arabisch und in weiteren Sprachen. Ein Beispiel dafür lieferte im März 2026 der damalige Linken-Chef Jan van Aken, der in Baden-Württemberg auf Arabisch um Stimmen warb.
Auch andere Parteien setzen auf mehrsprachige Ansprache
Das Werben um migrantische Wählergruppen ist dabei keineswegs auf linke Parteien beschränkt. Bei der Berliner FDP etwa warb Kandidat Batuhan Temiz in Lichtenberg mit einem türkischsprachigen Wahlplakat unter dem Slogan „Berlin Temiz olsun“ – ein Wortspiel mit seinem Nachnamen, der auf Deutsch „sauber“ bedeutet.
Ein globaler Trend
Die Entwicklung beschränkt sich nicht auf Europa. In den USA führte die starke Mobilisierung muslimischer und migrantischer Wähler 2025 dazu, dass mit Zohran Mamdani erstmals ein Muslim zum Bürgermeister von New York gewählt wurde. Laut einer AP-Exit-Poll stimmten rund 90 Prozent der muslimischen Wähler für ihn.
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