Während andere Länder noch diskutieren, handelt Madrid bereits: Spanien hat ein massives Entlastungspaket in Kraft gesetzt – als direkte Antwort auf den Iran-Krieg und die explodierenden Energiepreise.
Der Auslöser: Iran-Krieg trifft Zapfsäule und Stromrechnung
Der Angriff der USA und Israels auf den Iran Ende Februar 2026 hat die globalen Energiemärkte erschüttert. Auch in Spanien stiegen die Benzin- und Dieselpreise seit Kriegsbeginn deutlich an. Wie die Stuttgarter Zeitung und dpa berichten, lagen Normalbenzin am 20. März im Durchschnitt bei 1,71 Euro und Diesel bei 1,84 Euro pro Liter – damit unter dem deutschen Preisniveau, aber erheblich über dem Vorkriegsstand.
Ministerpräsident Pedro Sánchez reagierte mit deutlichen Worten. Wie der Tagesspiegel berichtet, nannte er den Iran-Krieg „illegal“ und erklärte: „Kein Plan kann das Elend dieses illegalen Krieges lindern.“ Er sei über die Situation „sehr wütend“ – und kündigte gleichzeitig ein umfassendes Gegenprogramm an.
Das Paket: 80 Maßnahmen, fünf Milliarden Euro
Wie der ORF und dpa berichten, beschloss das spanische Kabinett bei einer außerordentlichen Sitzung am 20. März ein Entlastungspaket im Gesamtumfang von fünf Milliarden Euro mit 80 Einzelmaßnahmen. Die Beschlüsse wurden in zwei Dekrete aufgeteilt und traten nach Veröffentlichung im Staatsanzeiger bereits am Samstag in Kraft – stehen allerdings noch unter Parlamentsvorbehalt.
Das Herzstück: Wie Weltwoche und Mallorca Magazin berichten, wird die Mehrwertsteuer auf Benzin, Diesel, Erdgas und Strom von 21 auf 10 Prozent halbiert. Zusätzlich werden die Verbrauchsteuern auf Kohlenwasserstoffe gesenkt. Das Resultat: Wie MarketScreener unter Berufung auf Regierungsangaben berichtet, sinkt der Kraftstoffpreis an der Zapfsäule um bis zu 30 Cent pro Liter. Die Stromsteuer wird laut ORF auf 0,5 Prozent reduziert, eine Abgabe auf die Stromerzeugung vorübergehend ausgesetzt. Insgesamt sollen die Stromkosten für Verbraucher um bis zu 60 Prozent sinken.
Gezielte Hilfen für Wirtschaft und vulnerable Haushalte
Das Paket geht über reine Steuersenkungen hinaus. Wie dpa berichtet, erhalten Transportfirmen, Bauern und Fischer eine zusätzliche staatliche Beihilfe von 20 Cent pro Liter Diesel. Für die Agrar- und Fischereiwirtschaft werden außerdem Kredit- und Förderprogramme ausgeweitet. Wie Weltwoche berichtet, sollen energieintensive Industrien durch das Gesamtpaket Einsparungen von bis zu 200 Millionen Euro erzielen.
Für einkommensschwache Haushalte sieht das Paket laut ORF ausgeweitete Sozialtarife für Strom, verstärkte Heizkostenhilfen sowie eine staatliche Garantie vor: Besonders schutzbedürftigen Familien darf weder Strom noch Gas noch Wasser abgestellt werden.
Parlamentarische Hürde und politische Kritik
So entschlossen der Start, so unsicher das parlamentarische Schicksal. Wie die Costa Nachrichten berichten, könnte das zweite Dekret – das ein Einfrieren der Mieterhöhungen vorsieht – am Widerstand der katalanischen Partei Junts scheitern. Koalitionspartner Sumar unter Vizeministerpräsidentin Yolanda Díaz hatte zudem im Vorfeld Forderungen nach weitreichenderen Sozialmaßnahmen angemeldet, die nur teilweise berücksichtigt wurden.
Der Ökonom Manuel Hidalgo vom Esade Centre äußerte laut MarketScreener Zweifel daran, ob die Kraftstoffsteuersenkungen tatsächlich bei den Verbrauchern ankommen – oder ob größere Unternehmen die Preissenkungen schlicht als Gewinnmarge einstreichen. Die Stromsteuersenkung dagegen helfe eher einkommensschwachen Haushalten.
Sánchez zog dennoch eine klare Linie: Wie MarketScreener berichtet, sollen alle Maßnahmen so lange in Kraft bleiben, „wie es erforderlich ist.“
Quellen:
- Weltwoche – Spanien: Regierung reduziert Steuern auf Benzin, Strom und Gas deutlich (25.03.2026)
- dpa / Stuttgarter Zeitung / Mindener Tageblatt – Spanien senkt Steuern auf Sprit, Strom und Gas (20.03.2026)
- ORF.at – Spanien entlastet Bürger bei Steuern und Mieten (21.03.2026)
- Tagesspiegel – „Ich bin sehr wütend über die Situation“: Spanien senkt Steuern in Milliardenhöhe (20.03.2026)
- Costa Nachrichten – Spanien geht runter mit Steuern: Regierung will Preise für Benzin und Diesel senken (20.03.2026)
- Mallorca Magazin – Strom, Benzin, Gas: Spanien-Regierung senkt wegen anhaltendem Iran-Krieg Steuern (20.03.2026)
- MarketScreener – Spanien legt Hilfspaket in Höhe von 5 Milliarden Euro vor (20.03.2026)
- European Circle – Spanien stellt ein 5-Milliarden-Euro-Energiepaket mit Steuersenkungen vor (20.03.2026)
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